Noch ein Rückzug: Sekretär der Bischofskonferenz hört auf

von Redaktion

Bonn/München – Nach dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, hat nun auch deren Sekretär Hans Langendörfer seinen Rückzug angekündigt. Der 68 Jahre alte Bonner Jesuit hatte das Büro seit 24 Jahren geleitet. Wie ein Sprecher der Bischofskonferenz sagte, will Langendörfer das Amt in jüngere Hände geben. Er sei aber bereit, gegebenenfalls bis zum Ende des Jahres im Amt zu bleiben.

Der Sekretär muss von der Vollversammlung der Bischofskonferenz gewählt werden. Dies kann entweder bei der Frühjahrs-Vollversammlung in der kommenden Woche in Mainz geschehen oder bei der Herbst-Vollversammlung im September. Da der Sekretär nicht zwingend ein Priester sein muss, ist es auch denkbar, dass es eine Frau wird.

Marx hatte kürzlich angekündigt, für eine zweite Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Es wäre besser, wenn ein Jüngerer rankäme, hatte der 66 Jahre alte Erzbischof von München und Freising gesagt. Der Marx-Nachfolger soll am kommenden Dienstag von den Bischöfen gewählt werden.

Langendörfer verkörperte Kontinuität an der Spitze der Bischofskonferenz. Die Vorsitzenden kamen und gingen: erst Kardinal Lehmann, dann Erzbischof Zollitsch und zum Schluss Kardinal Marx. Einer blieb: Langendörfer, der Sekretär. Noch bei der Wahl von Marx 2014 in Münster erzielte der Rheinländer eine breitere Mehrheit als der mitunter impulsiv agierende Westfale. Mit Langendörfers Ankündigung, für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung zu stehen, steht die Bischofskonferenz vor einem umfassenden Neuanfang an ihrer Spitze, zumal auch der stellvertretende Vorsitzende, der 69-jährige Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, nicht kandidieren will. Der Bruch fällt in unruhige Zeiten. Seit die katholische Kirche in Deutschland sich auf den Synodalen Weg gemacht hat, um über ihre künftige Verfassung und Teile der Lehre zu diskutieren, gibt es nur noch wenige unverrückbare Gewissheiten. Konservative Beobachter warnen gar vor einer Kirchenspaltung oder vor einer Entwicklung hin zu einer „deutschen Nationalkirche“.

Langendörfer ist einer der geistigen Väter des Synodalen Wegs. Seit der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch von Schülern durch Priester treibt ihn die Frage um, ob es Verbindungen zwischen der katholischen Sexualmoral und dem Zölibat auf der einen und dem sexuellen Missbrauch auf der anderen Seite gibt. Eine neue, der Lebenswirklichkeit der Menschen im 21. Jahrhundert vermittelbare Sexualmoral der Kirche wünscht er sich. Im Ausloten der neuen Spielräume, die der Jesuit Franziskus auf dem Papstthron eröffnet hat, sind der Jesuit Langendörfer und Kardinal Marx damit so weit gegangen wie irgend möglich. Spannend wird, welchen Kurs die Bischofskonferenz künftig einschlägt.  dpa/kna

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