Alfons Schuhbeck verliert seinen Stern

von Redaktion

Das Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Spitzengastronomie: Erstmals verlieh der Guide Michelin am Dienstag seine Sterne nicht bei einer Gala, sondern per Live-Stream. München hat jetzt insgesamt 13-Sterne-Restaurants. Alfons Schuhbeck ist nicht mehr dabei.

VON STEPHANIE EBNER

München/Bad Tölz – Viele Jahre war Alfons Schuhbeck mit einem Michelin-Stern dekoriert. Doch den ist der bekannte Fernsehkoch vorerst los. Der Guide Michelin hat dem 70-Jährigen die Auszeichnung aberkannt: Denn Schuhbeck hat sein Restaurant „Alfons“ Anfang des Jahres geschlossen, nachdem ihm sein Chefkoch Maurice Kriegs abhandengekommen war. Den Sterne-Verlust kommentierte Schuhbeck nach der Bekanntgabe gestern nicht – er steckt mitten in Dreharbeiten für den Bayerischen Rundfunk und war deshalb nicht erreichbar.

In der Printausgabe des Guide Michelin 2020, der ab 6. März im Handel ist, ist das „Alfons“ allerdings noch unter den Sterne-Restaurants geführt. Die Schließung des Lokals sei zu kurzfristig bekanntgegeben worden, begründet der Restaurantführer. In der Online-Ausgabe der Gourmet-Bibel ist der Stern bereits gestrichen. Schuhbeck hatte von 2003 bis 2017 für seine „Südtiroler Stuben“ einen Michelin-Stern, danach sicherte das Fine-Dining-Restaurant „Alfons“ den Titel als Sternekoch. Das Lokal soll es nach Schuhbecks Aussagen schon bald wieder geben. „Wir feilen derzeit am Konzept“, ließ der Starkoch im Januar wissen. Wann die Wiedereröffnung stattfinden soll, steht jedoch noch in den Sternen.

Grund, die Champagnerkorken knallen zu lassen, gab es dagegen in Bad Tölz: Das Gourmetrestaurant „Esskultur“ von Erich und Katharina Schwingshackl bekam jetzt einen Stern, nur anderthalb Jahre nach der Eröffnung im Alten Fährhaus. „Wir haben wieder gastronomischen Schwung nach Bad Tölz gebracht“, freute sich Erich Schwingshackl. Nachdem er von der Auszeichnung erfahren hatte, hatte er mit seiner Mannschaft angestoßen. „Das bin ich meinem Team einfach schuldig.“

Erich Schwingshackl steht für Geradlinigkeit der Produkte. „Unser Ziel ist es, das Beste aus den Lebensmitteln herauszuholen“, sagt der Küchenchef. Das „Reinschmecker-Menü“ (Aperitif, 5-Gänge-Menü) kostet 110 Euro, der „Klassiker à la E.S.“ (Aperitif, 4-Gänge-Menü plus Weinbegleitung) 133 Euro.

Bayern hat mit zwölf Zwei-Sterne-Restaurants so viele wie kein anderes Bundesland (insgesamt gibt es 43). Neu ist in dieser Kategorie das „Les Deux“ in München. Hier kocht Edip Sigl eine moderne französische Küche mit japanischem Akzent. Geradlinig, raffiniert und ausschließlich mit den allerbesten Produkten – das 5-Gang-Abendmenü kostet 135 Euro, Weinbegleitung ab 95 Euro.

Bei den Drei-Sterne-Restaurants im Freistaat ist alles unverändert geblieben: Die „Überfahrt“ von Christian Jürgens in Rottach-Egern am Tegernsee und das „Atelier“ von Küchenchef Jan Hartwig im Nobelhotel „Bayerischer Hof“ in München gehören zu den zehn besten Restaurants in Deutschland.

In München dürfen sich zwei Restaurants über ihren ersten Stern freuen: das „Mural“ in der Hotterstraße und das „Sparkling Bistro“ in der Amalienpassage. Im „Mural“, dem ehemaligen Umspannwerk der Stadtwerke, mischen Joshua Leise und Johannes Maria Kneip, beide gerade mal mit 20, die Münchner Gastro-Szene auf: Sie setzen auf aromastarke, regionale Küche. Ihr Credo: „Wir wollen aus sorgfältig ausgewählten Produkten das Maximale herausholen.“ Während man hier tagsüber auch frühstücken kann, gibt es abends ein einziges 5-Gang-Menü (auch mit vegetarischer Variante) für 89 Euro. Das „Sparkling Bistro“ von Jürgen Wolfsgruber, das in der früheren „Terrine“ beheimatet ist, setzt auf außergewöhnliche Schaumweine und gutes Essen. Mittags gibt es einen Businesslunch mit drei Gängen in 45 Minuten (18 Euro), abends stehen Klassiker und wechselnde Themenmenüs auf der Karte. Deutschlandweit hat der Restaurantführer in seiner aktuellen Ausgabe heuer 308 Häuser ausgezeichnet. Am besten kann man demnach in Berlin essen. Dort gibt es mit 24 Sternerestaurants etwa doppelt so viele wie in München (13), Hamburg (elf) und Köln (elf).

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