Freising – Eigentlich ist klar geregelt, was man tun muss, wenn man in Freising eine Sozialwohnung bekommen möchte. Schritt eins: Einen Wohnungsantrag stellen. Das ist die Voraussetzung für einen sogenannten Wohnberechtigungsschein. Doch wie in vielen Kommunen in Bayern sind die Sozialwohnungen auch in der Domstadt rar. Auf der eigenen Internetseite warnt die Stadt Freising deshalb: „Bei der äußerst angespannten Lage bei den Sozialwohnungen in Freising nehmen wir Anträge zwar gerne entgegen, weisen aber darauf hin, dass auch mit mehrjährigen Wartezeiten gerechnet werden muss.“ Und sie führt ein weiteres Detail auf: Für den Wohnberechtigungsschein falle in der Regel eine Gebühr von 13 Euro an.
Doch einige Wohnungssuchende haben offenbar deutlich mehr als diese 13 Euro bezahlt, um von der Stadt eine Sozialwohnung zu bekommen. Wie die Staatsanwaltschaft Landshut unserer Zeitung bestätigt, läuft derzeit ein Verfahren gegen eine Mitarbeiterin der Stadt Freising. Ermittelt werde wegen des Verdachts, dass die Mitarbeiterin im Amt für soziale Angelegenheiten sich bei der Vergabe von Wohnungen persönlich bereichert habe – der Straftatbestand der Untreue steht im Raum.
Der Schaden könnte in die Hunderttausende gehen, denn offenbar hat die Mitarbeiterin schon seit längerer Zeit bei Wohnungssuchenden die Hand aufgehalten. „Es sind Verdachtsmomente aufgekommen, dass mit Geldzahlungen oder vergleichbaren Zuwendungen Einfluss auf die Vergabe von Sozialwohnungen genommen wurde“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren laufe bereits seit mehreren Monaten. Bei der unter Verdacht stehenden Mitarbeiterin seien Arbeitsplatz und Wohnsitz durchsucht worden. Die Dokumente würden nun ausgewertet. Eine Schadenssumme will die Staatsanwaltschaft nicht nennen.
Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) bestätigt den Vorgang. Er spricht von möglicher Veruntreuung, warnt aber vor einer Vorverurteilung. Die Mitarbeiterin sei schon vor Jahresende vom Dienst freigestellt worden. „Natürlich ist das keine angenehme Situation. Wir haben großes Interesse, dass das schnell aufgeklärt wird.“ Im Amt für soziale Angelegenheiten sei die Vergabe von Sozialwohnungen jetzt neu geregelt worden.
In Freising gibt es aktuell etwa 1120 Sozialwohnungen, die zum Teil von der Stadt, zum Teil von den örtlichen Stadtwerken verwaltet werden. Die Nachfrage ist groß. Wer eine Sozialwohnung beantragt, der muss in Freising mitunter eine Wartezeit von mehreren Jahren in Kauf nehmen.
Durch Neubauten, zuletzt etwa von 35 Wohnungen an der General-von-Stein-Straße in der Stadtmitte, versucht die Stadt immer wieder, Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen.