Corona: Ärzte-Appell an Patienten

von Redaktion

Viele verunsicherte Patienten sammeln sich derzeit in den Wartezimmern der Hausärzte. Doch die warnen vor übereilten Arztbesuchen – und beklagen einen Mangel an Schutzkleidung für die Behandlung.

München – Mit einem Brandbrief hat sich der Nürnberger Arzt Falk Stirkat an die Behörden gewandt. Er kritisiert, dass ihm und seinen Kollegen so gut wie keine Schutzausrüstung für den Umgang mit potenziellen Corona-Fällen zur Verfügung gestellt werde. Ihm selbst sei nahegelegt worden, ohne Schutz zum Patienten zu gehen. Eine Kollegin habe eine eigene Taucherbrille genutzt, um sich und andere vor einer Verbreitung des Virus zu schützen. Anderen sei geraten worden, die Schutzkleidung doch bei Amazon zu bestellen. „Während wir die Bilder aus China sehen, wo das medizinische Personal von oben bis unten verpackt ist, müssen wir sehen, wo wir bleiben“, kritisiert Stirkat. „Unsere Behörden sind massiv überfordert und wir baden es aus.“

Laut Bayerischem Hausärzteverband klagen bereits mehrere Kollegen über Engpässe bei der Versorgung mit Schutzkleidung. Die Botschaft an die Behörden, für Nachschub zu sorgen, sei in der Politik aber bereits angekommen, heißt es beim Verband. Denn ohne entsprechende Schutzausrüstung seien schließlich keine Tests möglich. Dr. Barbara Dörfler-Schmidt aus Freising hat bereits bei einer Patientin das ganze Prozedere eines Corona-Tests durchgeführt. Am Ende war es dann doch die Grippe. Doch auch sie hat nun das Problem, dass für die nächsten Verdachtsfälle die Schutzanzüge fehlen. „Atemschutzmasken haben wir noch bekommen. Aber bei den Anzügen warten wir weiter auf die Lieferung.“

Die Angst vor dem neuartigen Virus sorgt in Kombination mit der aktuellen Grippewelle für übervolle Wartezimmer bei vielen Hausärzten. Dr. Felizitas Leitner hat in ihrer Praxis in Weßling vor allem am Montag zahlreiche Anrufe von besorgten Eltern bekommen. „Das war extrem.“ Ein Test sei aber nur in einem Fall durchgeführt worden – bei einem Mann mit Fieber, der sich in einem Hotel aufgehalten hatte, in dem auch Personen aus einem Risikogebiet gewesen seien. Diesen Patienten bestellte sie außerhalb der Sprechstunden ein, danach wurde der Raum desinfiziert. Dieser Test sei aber eine absolute Ausnahme gewesen.

Nicht nur sie, auch Deutschlands Kassenärzte warnen derweil eindringlich vor unnötigen Praxisbesuchen wegen des neuen Coronavirus. Andernfalls sehen sie die Versorgung der Bevölkerung als gefährdet an. „Umfangreichere Testung von klinisch Gesunden ist medizinischer Unfug“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gestern. Selbst wenn jemand bei sich selbst Coronaverdacht habe, „dann sollte er nicht irgendwo hinrennen“, mahnte er.

Tests seien nur sinnvoll, wenn jemand Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege aufweise und in einem Risikogebiet war oder womöglich Kontakt zu einer Kontaktperson eines Infizierten gehabt habe. Es gebe in Deutschlands einschlägigen Laboren Kapazitäten für rund 12 000 Tests pro Tag. Die Bezahlung durch die Kassen sei geklärt. Es gebe viel Verunsicherung, sagte Gassen. „Das ist aus unserer Sicht wirklich nicht gerechtfertigt“, betonte der KBV-Vorsitzende.

Bemerkbar macht sich die Verunsicherung auch in den Kliniken. Zum Beispiel im Landkreis Freising, wo zuletzt mehrere Corona-Fälle bekannt wurden. Eigentlich sieht die Meldekette vor, dass sich Menschen, die möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sind, erst telefonisch unter der 116 117 melden. Doch in Freising kommen dennoch immer wieder verunsicherte Menschen in die Notaufnahme der Klinik. Das ist ein Problem, sagt Kliniksprecher Sascha Alexander und mahnt: „Personen, die Symptome zeigen, sollen nicht einfach in die Notaufnahme kommen.“ dg/ps/ly/bn/dpa

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