München – Die Bilder sind fünf Jahre alt, doch sie sind vielen Menschen in Bayern gut in Erinnerung geblieben: Hunderte Flüchtlinge, die an der Grenze warteten, überfüllte Turnhallen, Zeltstädte und Containerdörfer. Es waren chaotische Szenen – aber auch Szenen großer Hilfsbereitschaft, die sich in Bayern abspielten, als im September 2015 tausende Flüchtlinge binnen weniger Tage eintrafen. Und mit Blick auf die vielen Flüchtlinge, die gerade an der türkisch-griechischen Grenze warten, ist in vielen Kommunen die Sorge groß, dass sich diese Szenen wiederholen könnten.
„Es würde uns nicht mehr so eiskalt erwischen wie damals“, sagt Uwe Brandl (CSU), der Präsident des Bayerischen Gemeindetags. „Aber es würde unsere Gesellschaft überfordern.“ Die Ausgangssituation sei heute viel schwieriger als damals, betont er. Es gibt weniger freie Immobilien, die Helferkreise seien geschrumpft und die Ehrenamtlichen mit der Integration der vielen Flüchtlinge extrem gefordert. „Die meisten Mietverträge für dezentrale Einrichtungen sind längst gekündigt“, sagt Brandl. „Es gibt zwar einige freie Plätze, aber das würde nicht reichen.“
Ähnlich sieht das Bayerns Städtetag. „Die Bereitschaft zu helfen ist nach wie vor da“, sagt ein Sprecher. Doch man hoffe, dass es nicht so weit kommt. „Zumal viele Städte noch heute mit offenen Abrechnungen kämpfen und nicht wissen, ob sie auf den Kosten von damals sitzen bleiben.“ Christian Bernreiter, der Präsident des Landkreistags, findet klare Worte: „Wir gehen davon aus, dass die Zusage, 2015 werde sich nicht wiederholen, eingehalten wird und dass auch die vereinbarte Obergrenze hält“, sagt er. „ Dafür sind wir vorbereitet.“
Die Aufnahmekapazität Bayerns dürfe nicht überfordert werden, eine Situation wie 2015 dürfe sich nicht wiederholen, betont auch ein Sprecher des Innenministeriums. Aktuell gebe es bayernweit rund 18 000 freie Betten in Asylunterkünften – die meisten davon in Oberbayern (5041). Im Kreis Starnberg zum Beispiel sind die Asylbewerber auf 14 Kommunen verteilt. Sie leben in Container-Unterkünften. „In Gilching sind von 145 Plätzen aktuell 100 belegt“, berichtet Eva Ott, die seit 2013 Asylhelferin ist. Auch sie hat die Tage im Herbst 2015 nicht vergessen. Sollten noch einmal so viele Flüchtlinge aus Syrien nach Gilching kommen, wäre das für die Helfer eine schwere Situation, betont sie. „Weil die Menschen vom Krieg schwer traumatisiert sind und wir sie nicht adäquat betreuen könnten.“ Aber auch, weil die Helferkreise stark geschrumpft sind. „2015 gab es in Gilching 350 Ehrenamtliche, heute sind es höchstens noch 25.“ Das sei repräsentativ für viele Kommunen.
Und die Helfer, die noch da sind, sind sehr eingespannt, betont Ott. Trotzdem sagt sie auch: „Wenn wir müssten, würden wir es natürlich noch mal schaffen, für so viele Menschen schnell Unterkünfte, Kleidung und Essen zu organisieren“, sagt sie und ergänzt. „Im Vergleich zu den Aufgaben, mit denen wir bei der Integration beschäftigt sind, wäre das ein Kinderspiel.“