Corona-Quarantäne war „recht langweilig“

von Redaktion

14 Tage lang war die Firmenzentrale des Autozulieferers Webasto in Stockdorf (Kreis Starnberg) wegen des Coronavirus geschlossen. Mittlerweile sind alle mit dem Virus infizierten Mitarbeiter wieder gesund. In einer gemeinsamen Mitteilung ziehen sie nun Bilanz: Am schlimmsten war die Langeweile.

Stockdorf – Corona, Webasto – da war doch was. In Zeiten, in denen täglich neue Alarmmeldungen zu Corona-Infektionen eintreffen, hat man fast schon vergessen, wie alles begann. Dabei ist es gerade einmal gut einen Monat her, dass in Deutschland der erste Corona-Patient identifiziert wurde: Es handelte sich um einen jungen Mann aus dem Landkreis Landsberg, der bei Webasto arbeitete und sich bei einer Chinesin angesteckt hatte. Diagnostiziert wurde die Infektion am 28. Januar. Danach ging es Schlag auf Schlag: Fast täglich wurden neue Infektionen bekannt. Insgesamt 14 Webasto-Mitarbeiter inklusive Familienangehörigen steckten sich an. In einer gemeinsamen Pressemitteilung berichten sie nun anonymisiert über Erfahrungen während der Quarantäne. Wir dokumentieren dies in Auszügen:

. Die Diagnose

„Das positive Testergebnis war natürlich erst ein Schock, weil ich damit gar nicht gerechnet habe. Man kannte den Virus nur von Nachrichten, vom Fernsehen.“

„Da ich zwar Fieber hatte, aber meine Symptome mir nicht besonders schlimm erschienen, hatte ich nicht viel Angst um mich. Vielmehr sorgte ich mich um meine Kontaktpersonen, darunter meine kleine Enkelin, meine Frau und Tochter sowie um Freunde, mit denen ich zuvor im Skiurlaub gewesen war.“

. Die Quarantäne

„Der Alltag im Krankenhaus war recht langweilig. Es gab keine Abwechslung, der Tag hat mit Fiebermessen begonnen. Ich hatte während meines gesamten Aufenthalts kein Fieber. Danach musste ich Nasen- und Rachenabstriche geben. Anschließend gab es Frühstück. Dann konnte ich bis zum Mittagessen an meinem Laptop arbeiten. Am Nachmittag habe ich mir die Zeit mit Fernsehserien vertrieben und nach dem Abendessen habe ich früh geschlafen.“

„Am meisten vermisst habe ich im Krankenhaus Bewegung und die Freiheit, sich einfach mit Freunden zu treffen.“

„Die ersten Tage waren unangenehm, da wir gar nicht aus unseren Zimmern raus konnten. Zudem war eine große Ungewissheit da, wie es weitergeht. Geholfen haben mir die Ärzte, die uns immer unterstützt haben, und das immer freundliche Pflegepersonal. Dann haben wir uns als Gemeinschaft der Infizierten gefunden und konnten uns wechselseitig besuchen, reden und Karten spielen.“

„Luft und Bewegung sowie den persönlichen Kontakt zur Familie und zu Freunden habe ich am allermeisten vermisst. Videotelefonie half da etwas drüber hinweg.“

. Die Entlassung

„Als ich nach Hause kam, habe ich erst einmal meine Familie begrüßt, dann eine Pizza bestellt und eine Waschmaschine angestellt. Dann habe ich mich einfach auf die Couch gesetzt.“

„Nach meiner Entlassung bin ich weiterhin in häuslicher Isolation, darf keinen engen Kontakt zu anderen haben und muss zweimal am Tag meine Körpertemperatur und meinen Gesundheitszustand an das für mich zuständige Gesundheitsamt melden. Das ist aber tausend Mal besser, als in einem Krankenhauszimmer eingesperrt zu sein.“

„Derzeit bin ich noch nicht wieder am Arbeitsplatz, da ich noch nicht alle Auflagen des Gesundheitsamts zu hundert Prozent erfülle. Das heißt aber nicht, dass das Virus noch aktiv ist. Das wurde natürlich vor meiner Entlassung sichergestellt.“

„Ich habe mich gefreut, meine Familienangehörigen zu sehen, und auch, wieder normal arbeiten zu können.“

Mittlerweile sind alle wieder aus den Krankenhäusern entlassen worden, sagt Webasto-Vorstandschef Holger Engelmann. Auch die Webasto-Zentrale ist nach 14-tägiger Schließung wieder geöffnet. „An allen Webasto-Standorten gelten erhöhte Hygienestandards“, betont die Firma. Geschäftsreisen von und nach China sind vorläufig bis Ende März ausgesetzt. In andere Risikogebiete wie Iran oder Südkorea, aber auch Italien können Mitarbeiter nur freiwillig und mit einer Ausnahmegenehmigung des Managements reisen.

Ihre Corona-Infektion werden die Betroffenen indes wohl nie vergessen, zumal auch ungewöhnliche Präsente ins Haus kamen. Sein Freundeskreis habe die Erkrankung mit Humor genommen, berichtete der erste Corona-Patient der „Augsburger Allgemeinen“: „Ich habe jetzt den ganzen Kühlschrank voller Corona-Bier und auch Shirts mit entsprechendem Schriftzug darauf.“

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