Bereits vor einem Jahr hat sich Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) in unserer Zeitung für Reformen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Sie hat das Gespräch mit allen bayerischen Bischöfen gesucht. Wir sprachen mit ihr über den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und ihre Erwartungen.
Frau Aigner, versprechen Sie sich von dem Limburger Bischof Georg Bätzing Rückenwind für die Frauen?
Erst einmal gratuliere ich ihm natürlich und wünsche ihm alles Gute fürs neue Amt. Das ist keine einfache Aufgabe in so spannungsreichen Zeiten in der Kirche! Ich glaube, dass er das gut meistern kann. Er ist jemand, der gut zuhört und die verschiedenen Sichtweisen und Belange aufnimmt. Das will er auch in den Synodalen Weg einspeisen – und deswegen erhoffe ich mir auch Rückenwind durch ihn.
Sie haben 2019 alle bayerischen Bischöfe besucht. Mit welcher Mission?
Das war zuerst eine Frage des guten Zusammenarbeitens, als Landtagspräsidentin mit den Bischöfen in Kontakt zu treten. Natürlich ging es in den Gesprächen auch um Reformfragen. Ich wollte von meinen Gesprächspartnern persönlich ihre Positionen, ihre Haltungen kennenlernen – und auch meine Meinung äußern.
Können Sie sich vorstellen, dass der neue Vorsitzende den Rückhalt aller bayerischen Bischöfe hat? Bei Kardinal Marx war das ja nicht der Fall.
Da gibt es schon sehr unterschiedliche Meinungen, das habe ich bei den Gesprächen natürlich gemerkt. Deshalb war es mir so wichtig, beim Synodalen Weg die unterschiedlichen Positionen kennenzulernen, gegenüberzustellen und herauszufinden, wo eine Lösung liegen könnte. Die ist deshalb so kompliziert, weil Reformen nicht nur Deutschland, sondern eben auch die Weltkirche betreffen.
Es gibt unter den bayerischen Bischöfen starke Reformgegner. Der Regensburger Bischof Voderholzer an erster Stelle. Wie war das Gespräch mit ihm?
Es waren alles angenehme Gespräche, aber wir haben inhaltlich natürlich unterschiedliche Meinungen gehabt. Das war gerade auch bei Bischof Voderholzer absehbar. Es war mir schon klar, dass ich meine Gesprächspartner nicht umstimmen kann. Aber es ging mir vielmehr darum, dass man sich zuhört und Meinungen austauscht – miteinander reden und nicht übereinander.
Der Papst hat die Erwartungen der Frauen auf Gleichbehandlung zerstört. Haben Sie die Hoffnung, dass sich zu Ihren Lebzeiten noch etwas ändert, oder ist eine Diakonin so fern wie eine bayerische Ministerpräsidentin?
Ich habe den Eindruck, dass sich in absehbarer Zeit nicht so schnell etwas bewegen wird, was die Weiheämter betrifft. Leider, muss ich dazu sagen! Aber ich beobachte Signale, dass in Leitungsfunktionen vermehrt Frauen eingebunden werden sollen, in denen sie auch etwas zu entscheiden haben – wie die neue Amtschefin im Münchner Erzbistum. Unabhängig davon ist es wichtig, dass der Synodale Weg zu Ergebnissen führt und die Kirche nicht noch weiter schrumpft. Das hätte zur Folge, dass sich die Kirche auf wenige geistliche Zentren konzentrieren und die Fläche unseres Landes praktisch aufgeben müsste. Das gilt es, durch Reformen zu verhindern. Interview: Claudia Möllers