München – Das Bayerische Rote Kreuz hat wegen des Coronavirus gestern die Alarmstufe 1 ausgerufen, die Hilfsorganisationen ASB, Malteser Hilfsdienst und Johanniter Unfallhilfe sind dem gefolgt. Das sei eine Art Vor-Vorwarnstufe, erklärt der BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Der bereits vergangene Woche einberufene Krisenstab wurde auf alle freiwilligen Hilfsorganisationen in Bayern erweitert. Vertreter von BRK, Arbeiter-Samariter-Bund, Johannitern, Maltesern, DLRG, THW und dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk koordinieren, beobachten und agieren von nun an gemeinsam.
„Die Entscheidung haben wir nicht getroffen, weil die Situation unüberschaubar geworden wäre“, betont Taheri-Sohi. Vielmehr stünden alle Rettungsorganisationen aktuell vor demselben Problem: Die Schutzausrüstung wird knapp. „Der Markt für Mundschutzmasken und Schutzanzüge ist europaweit leergefegt“, berichtet der BRK-Sprecher. Für die kommenden zwei Wochen seien Bayerns Rettungskräfte noch gut ausgestattet. Die große Herausforderung, vor der nun alle Organisationen stehen, sei, aus dem Ausland entsprechende Schutzkleidung zu bekommen. Die Preise dafür sind bereits enorm gestiegen, erklärt Taheri-Sohi. Die Schutzausrüstung sei aber Voraussetzung für die Einsätze, betont der BRK-Präsident Theo Zellner. „Der Eigenschutz unserer Mitarbeiter hat Priorität.“
Außerdem gehöre es zur „Alarmstufe 1“, die Erreichbarkeiten aller Einheiten sicherzustellen, berichtet er weiter. Es werden aktuell alle Alarmlisten überprüft, es gibt rund um die Uhr eine Rufbereitschaft. Die Zahl der Einsätze sei nicht merklich gestiegen, sagt Taheri-Sohi. „Wir spüren aber einen jahreszeitlich bedingten Anstieg an Infektionsfällen. Wir werden gerade zwar häufig wegen Corona-Verdachts alarmiert, aber nur wenige Fälle bestätigen sich.“ Trotzdem sind diese Einsätze für die Rettungskräfte sehr zeitaufwendig. Sie müssen vorher die Schutzkleidung anziehen. Sollte der Patient Symptome zeigen, die zum Coronavirus oder zur Influenza passen, wird er in eine Klinik mit Isolierbetten gebracht. „Die Kapazitäten in den Kliniken sind allerdings begrenzt, viele sind bereits sehr ausgelastet“, sagt der BRK-Sprecher. Das bedeutet für die Rettungskräfte, dass sie mit den Verdachtsfällen oft weite Wege fahren müssen. Anschließend muss der Rettungswagen gründlich desinfiziert werden.
Gelegentlich komme es vor, dass Patienten aus anderen Gründen den Rettungsdienst alarmierten und sich im Nachhinein ein Corona-Verdacht ergebe. Darüber werden die Einsatzkräfte informiert. Falls sie ungeschützt mit symptomfreien Verdachtsfällen in Kontakt waren, bedeutet das, dass sie selbst in Quarantäne müssen, bis das Testergebnis vorliegt. KATRIN WOITSCH