Corona: Erste Schulen geschlossen

von Redaktion

Das Coronavirus erreicht die Schulen: In Bayern gibt es erste Schließungen, auch Schüleraustausch wird großflächig abgesagt. Und das könnte erst der Anfang sein: Greift das Virus weiter um sich, stehen die Abiturprüfungen auf der Kippe.

VON DIRK WALTER UND MARC OLIVER SCHREIB

München/Unterhaching – „Ciuso al pubblico“ – für die Öffentlichkeit geschlossen. Diese Schilder prangen nun landauf, landab an den Eingängen der italienischen Schulen. Alle Einrichtungen sind seit Donnerstag für 14 Tage geschlossen. Ein Vorbild auch für Deutschland?

Noch sind in Bayern erst ganz vereinzelt Schulen wegen Corona geschlossen worden. So ist seit gestern das Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching (Kreis München) verriegelt – bei einer Schülerin war das Virus festgestellt worden. Es geht ihr gut. Die Eltern helfen sich nun gegenseitig. „So weit ich weiß, sind alle Kinder versorgt“, berichtet Hannes Recker vom Elternbeirat der Schule. Panik herrsche nicht. „Alle haben den Ball flach gehalten und eingesehen, bis zum Wochenende abzuwarten.“ Dann sollen, so die Zielvorgabe des Gesundheitsamtes, alle möglichen Kontaktpersonen der Schülerin ermittelt sein.

Schulschließungen gibt es auch in Vilshofen und Würzburg (zwei Grundschulen) sowie seit gestern Mittag auch in Holzkirchen (Kreis Miesbach). Dort haben sich „aller Voraussicht nach“, wie die Schulleitungen berichten, zwei Schüler der Privaten Ganztagsschule mit dem Virus infiziert. Bis einschließlich Montag ist die Schule geschlossen. Gestern Abend teilte zudem die Stadt München mit, dass neben zwei Kindergärten auch das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorerst geschlossen bleibt. Auch eine Schülerin der FOS Karlsfeld (Kreis Dachau) wurde positiv auf das Virus getestet. Sie stammt aus München. Die FOS bleibt vorerst für heute geschlossen.

Noch sind das Einzelfälle – in Bayern gibt es 6000 Schulen und 1,6 Millionen Schüler. Walter Baier, Chef der Bayerischen Direktoren-Vereinigung, war gestern bei der Bundesdirektoren-Konferenz in Wiesbaden. „Wir sind uns einig: Wenn es Schulschließungen geben soll, dann brauchen wir eine bundesweite Entscheidung“, sagt der Leiter des Gymnasiums Bruckmühl (Kreis Rosenheim). „Das muss ganz oben geplant werden.“ Zugleich warnt Baier vor einer schnellen Hauruck-Aktion. In Hessen etwa beginne in 14 Tagen das Abitur, in Bayern Ende April. „Angenommen, Schulschließungen würden mitten in der Prüfungsphase verfügt, dann rauschen wir in ein absolutes Chaos rein.“

Auch Jürgen Böhm, Chef des Realschullehrerverbands, schwant Ungemach. Er mahnt einen Notfallplan zur Sicherstellung des Bildungsauftrags mit digitalen Aufgabenpools an. „Wir dürfen keine Zeit verlieren und keine unnötigen Risiken eingehen.“ Auch bei der Vorbereitung auf Abschlussprüfungen sollten digitale Möglichkeiten genutzt werden. Schließlich mahnt Böhm auch ein Finanzpaket des Staates an, um entstandene Kosten für ausgefallene Schulfahrten abzufedern. In der Tat werden diese Fahrten derzeit allerorten abgesagt. Im Vicardi-Gymnasium Fürstenfeldbruck etwa wurde der Austausch der Zehntklässler mit Italien gestrichen, am Sophie-Scholl-Gymnasium München die Fahrten nach Frankreich und Jordanien. Am Kirchseeoner Gymnasium wurde die Fahrt nach China gestrichen, in Grafing entfallen mehrere Fahrten nach Frankreich, Italien und Österreich. Teils müssen die Eltern die Stornierungskosten übernehmen. Andere Lehrer berichten, dass sie von französischen und englischen Schulen quasi ausgeladen wurden – aus Frucht, die deutschen Schüler könnten Coronaviren ins Land schleppen.

In Prien am Chiemsee war das Virus – Stand 12 Uhr – gestern noch nicht eingetroffen, Kerstin Haferkorn, Chefin der örtlichen Realschule, bleibt daher fast demonstrativ gelassen. Von Desinfektionsmitteln auf Schülertoiletten etwa hält sie wenig – die Kinder würden sie eh nicht benutzen. Sie erinnert an Schulschließungen wegen Schnee, wegen Sturm – und jetzt wegen Viren. „Mein Eindruck ist schon, dass da viel Wind und wenig gemacht wird.“

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