Würzburg – Anton (Name geändert) kann nicht sprechen. Er ist geistig und körperlich behindert. In einer Kindertagesstätte in Würzburg kommt er bereits als Zweijähriger mit anderen Kindern zusammen, soll gefördert werden. Doch der Logopäde, der ihm eigentlich helfen soll, hat nach Überzeugung der Anklage am Landgericht Würzburg etwas ganz anderes im Sinn: Er will seine Sammlung von Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vergrößern. Dafür muss er eigene Aufnahmen im Internet hochladen – quasi als Eintrittskarte, um an die widerlichen Bilder weitere Nutzer zu gelangen. Und diese Videos fertigte der Deutsche demnach auch bei seiner Arbeit in zwei Kindertagesstätten in Würzburg an.
Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Während die Erzieher mit den anderen Kita-Kindern im Morgenkreis zusammensaßen, war der Angeklagte mit den ihm anvertrauten Windelkindern in Nebenräumen allein. Insgesamt soll der Logopäde die Buben in 66 Fällen schwer sexuell missbraucht haben, unter anderem in einem Holzhaus einer Kita, in dem die Kinder normalerweise spielen. „Nach Aktenlage sind alle Tatopfer erheblich behinderte Kinder“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Schaller gestern zum Prozessauftakt.
Staatsanwältin Manuela Teubel trug die Anklagepunkte am Vormittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor. Nebenklagevertreter Bernhard Löwenberg fasste die Gefühlslage einiger Angehöriger zusammen: „Unsere Mandanten sind seit Monaten beeinträchtigt in ihrem Alltag.“ Sie seien „im Prinzip kopflos“, fänden keine Worte für das Geschehene. „Wir möchten, dass der Angeklagte nie wieder herauskommt.“
Der Verdächtige ist ein Durchschnittstyp. Kurze, frisch geschnittene Haare, nicht übermäßig groß. Im Gerichtssaal saß er zu Verhandlungsbeginn zusammengesunken und mit hängenden Schultern neben seinen Pflichtverteidigern. Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages dann seine Aussage ohne Öffentlichkeit: „Er hat unter Tränen gesagt, dass er versteht, wie viel Vertrauen er missbraucht hat“, sagte Gerichtssprecher Rainer Volkert. Er habe alle Anklagevorwürfe eingeräumt. Die Tatfolgen bewerte er heute nach eigener Aussage realistischer, als er es damals getan habe.
Die Opfer des Logopäden waren laut Anklage bei den Übergriffen zwischen zwei und sechs Jahre alt, zumeist entwicklungsgestört, geistig und/oder körperlich behindert. Der Prozess wird fortgesetzt. Elf Verhandlungstage sind vorgesehen. lby