Corona-Epidemie: Was Sie jetzt wissen müssen

von Redaktion

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus steigt täglich – auch in Bayern. Die Menschen sind verunsichert, fürchten eine Ansteckung. Wie wahrscheinlich ist das? Was ist der beste Schutz? Und was sollte man im Fall des Falles tun? Alle Antworten auf einen Blick.

Wie stark breitet sich das Virus bei uns aus?

Das kann niemand vorhersagen. Fest steht aber, dass die Zahl der Infizierten in den kommenden Tagen weiter steigen wird. „Mit neuen Fällen, Infektionsketten und Ausbrüchen muss in Deutschland gerechnet werden“, heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI). Da es gegen einen neuen Erreger zunächst keine Immunität in der Bevölkerung gibt, kann eine Ausbreitungswelle große Teile davon erfassen. Der Berliner Virologe Prof. Christian Drosten prognostiziert: „Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent anstecken – aber wir wissen nicht, in welcher Zeit.“

Wie ansteckend ist Sars-CoV-2?

Auch das ist bislang nicht ganz klar – Experten zufolge ist das sogar derzeit der am schwersten abzuschätzende Faktor. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass ein Infizierter im Mittel drei weitere Menschen ansteckt – dieser Wert ist jedoch mit Vorsicht zu genießen! Denn: Es sind bei Weitem nicht alle Fälle erfasst. Grundsätzlich gilt, dass eine Epidemie erst dann gestoppt wird, wenn ein Infizierter im Schnitt weniger als einen Menschen ansteckt.

Wie schützt man sich vor einer Infektion?

Das A und O ist eine gute Handhygiene, rät Prof. Jörg Schelling, Allgemeinarzt in einer Gemeinschaftspraxis in München-Martinsried. Konkret: Hände unter fließendes Wasser halten, die Temperatur so wählen, wie es angenehm ist. Dann die Hände gründlich einseifen – sowohl Handinnenflächen als auch Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen. Fingernägel nicht vergessen! Hygienischer als Seifenstücke sind Flüssigseifen. Danach die Hände unter fließendem Wasser abspülen und gründlich abtrocknen. In öffentlichen Toiletten am besten Einmalhandtücher verwenden, auch zum Wasserhahn an- und ausmachen.

Desinfektionsmittel ist für den Otto Normalverbraucher nicht notwendig! Und: Es gibt auch keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz hilft. Eher sollte jeder bewusst darauf achten, sich nicht mit den Händen ins Gesicht zu fassen – dadurch geraten Viren an die Schleimhäute von Nase, Augen und Mund. Da wir mit den Händen viele Flächen berühren – und sich Viren darauf mehrere Tage halten können –, kann das im Fall des neuen Virus gefährlich werden.

Als Hauptübertragungsweg gilt laut RKI aber eine Tröpfcheninfektion. Darum sollte man um Menschen, die niesen oder husten, einen großen Bogen machen. Denn: Das Virus vermehrt sich vor allem im Rachen und verbreitet sich beim Niesen durch Tröpfchen. „Und die fliegen etwa eineinhalb Meter weit und fallen relativ schnell zu Boden“, erklärt Virologe Drosten. „Es ist das Einatmen einer solchen Wolke, die einen in den meisten Fällen infiziert.“ In Kontaktsituationen gibt es demnach ein reales Risiko – etwa, wenn man mit einem Erkrankten eine Viertelstunde oder länger gesprochen habe.

Welche Symptome zeigen Erkrankte?

Manche gar keine, viele nur leichte Erkältungsanzeichen wie Frösteln, Hals- und Kopfschmerzen. Laut RKI klagten Infizierte besonders oft über Fieber und Husten, hierzulande gefolgt von Schnupfen. Durchfall ist selten. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Betroffen sind meist Risikogruppen, etwa Krebskranke unter Chemotherapie, ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Todesfälle – etwa durch Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen – sind selten! Nach jüngsten Daten liegt die Covid-19-Todesrate bei 0,3 bis 0,7 Prozent: Von 1000 Infizierten sterben 3 bis 7. Experten vermuten aber, dass dieser Wert noch zu hoch gegriffen ist, weil viele, insbesondere mild verlaufende Infektionen nicht erfasst werden. Eine spezifische Therapie gegen den Erreger gibt es derzeit nicht; es geht vor allem darum, die Symptome in den Griff zu bekommen, etwa mit fiebersenkenden Mitteln, einer Therapie bakterieller Zusatzinfektionen, in schweren Fällen auch mit mechanischer Beatmung.

Wann ist mit neuen Arzneien zu rechnen?

Weltweit suchen Forscher nach Arzneien, die spezifisch gegen die Krankheit Covid-19 wirken. Ein vielversprechender Kandidat ist der Wirkstoff „Remdesivir“. Dieser wurde gegen Ebolaviren entwickelt, ist derzeit noch nicht zugelassen. Der Deutschen Apotheker-Zeitung (DAZ) zufolge gibt es aber Hinweise, dass dieses Mittel bei einer Sars-CoV-2-Infektion helfen könnte. Erste klinische Tests dazu laufen laut DAZ bereits in China und den USA. Hersteller „Gilead“ starte im März zwei weitere Studien an 1000 Erkrankten.

Gute Nachrichten hat auch das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen. Wissenschaftler des Instituts haben, unter anderem zusammen mit Forschern der Berliner Charité, der LMU München und der Unfallklinik in Murnau, einen möglichen Angriffspunkt der Sars-CoV-2-Viren entdeckt: ein körpereigenes Enzym, das die Erreger brauchen, um in Lungenzellen einzudringen und sich darin zu vermehren. Und: Genau dieses Enzym hemmt ein in Japan bereits zugelassenes Medikament: „Camostat Mesilate“ wird dort bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse eingesetzt. Ob das Mittel auch vor der Krankheit Covid-19 schützen kann, soll nun in klinischen Studien getestet werden.

Ab wann kann man sich impfen lassen?

Derzeit wird ein Impfstoff entwickelt. „Mit einer Impfung ist erst in ein, zwei Jahren zu rechnen“, sagt auch Tropenmediziner Markus Frühwein aus München. Hier stehe man noch „ganz am Anfang“. Laut WHO gibt es derzeit aber mehr als 25 Impfstoff-Kandidaten, die jedoch fast alle in der „präklinischen Phase“ sind, also noch nicht an Patienten getestet wurden. Dennoch empfehlen Experten wie Prof. Lothar Wieler, Präsident des RKI, sich jetzt impfen zu lassen – gegen andere Erreger, die Lungeninfektionen auslösen. Dazu gehören vor allem Pneumokokken, aber auch Keuchhusten-Erreger. Und: Selbst wenn die Grippewelle abebbt, kann sich eine Impfung lohnen, sagt Experte Schelling. Eine Parallelinfektion sei deutlich gefährlicher. All diese Empfehlungen gelten vor allem für Risikogruppen, etwa für Menschen ab 60 Jahren.

Was ist bei einem Verdacht zu tun?

Bitte nicht einfach in die nächste Praxis gehen! „Denn wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, muss man das ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit ohnehin schon geschwächten Immunsystemen reintragen“, erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck. Daher zum Telefon greifen und den Hausarzt kontaktieren. Oder die 116 117 wählen – die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung ist rund um die Uhr besetzt. Als begründete Verdachtsfälle gelten vor allem Menschen, die in Risikogebieten unterwegs waren oder Kontakt zu – potenziellen – Infizierten hatten. Ob es sich um ein Risikogebiet handelt, erfährt man beim RKI unter: www.rki.de. In begründeten Fällen kommt dann ein Arzt zum Erkrankten nach Hause und nimmt einen Rachen- oder Nasenabstrich mit einem Wattestäbchen. Dieses wird ins Labor geschickt. Ist das Ergebnis positiv, folgt ein Bestätigungstest. Zudem werden alle Kontaktpersonen des Infizierten gesucht und kontaktiert: Sie müssen ebenfalls getestet werden und für zwei Wochen in Quarantäne. Denn: Die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – liegt zwar im Mittel bei fünf bis sechs Tagen, kann aber von einem bis 14 Tage reichen. Durch solche Maßnahmen soll die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden.

Kann mein Haustier das Virus übertragen?

Ein Übertragungsrisiko durch Haustiere besteht nach Einschätzung von Experten kaum. Ein in Südkorea gemeldeter Fall, bei dem Sars-CoV-2 bei einem Hund nachgewiesen worden sein soll, gilt in der wissenschaftlichen Literatur als nicht bestätigt. Zwar könne man eine Übertragbarkeit nicht ausschließen, aber es sei nicht wahrscheinlich – wenn überhaupt: über Haut und Fell.

Zusammengestellt von: B. Nazarewska und A. Eppner

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