München – Direkt vor dem Altar steht der Eichen-Sarg, verziert mit cremefarbenen Rosen, rechts daneben lehnt ein großes Porträtfoto. Es zeigt Karl Denk, lachend in Anzug und Krawatte. Auf der linken Seite steht ein Gemälde, es zeigt einen Mann in einem schlichten blauen Hemd, in der Hand: Pinsel und Palette. Es ist ein Selbst-Porträt. „Jede Beerdigung hat ihre eigene Geschichte“, sagt Pfarrer Michael Schlosser zu Beginn der Trauerfeier in der Heilig-Kreuz-Kirche in München-Giesing.
Die beiden Bilder erzählen diese eigene Geschichte – die Geschichte von Karl Denk: einem erfolgreichen Unternehmer, Leiter eines Großbetriebs mit über 500 Mitarbeitern, einem Bestatter mit Feingefühl und kämpferischen Vertreter seiner Zunft, einem „Patriarch“ im besten Sinne – und einem echten Künstler, Maler und Musikliebhaber. Jene Seite hatten wohl nicht viele gekannt, war Karl Denk doch vor allem als „der“ Bestatter Bayerns bekannt geworden. Als einer, der sein Familienunternehmen groß gemacht hatte. Er organisierte Trauerfeiern von Prominenten, Adligen und Politkern, von Roy Black, Helmut Fischer, Rudolph Moshammer, vom Kronprinz Rupprecht von Bayern, und von den Ministerpräsidenten Alfons Goppel, Max Streibl und Franz Josef Strauß – der Höhepunkt seiner Laufbahn. Doch eigentlich war sein Berufswunsch ein ganz anderer gewesen: „Er wollte Malerei und Grafik studieren“, erzählt Ralf Michal, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter, in seiner Kondolenzrede. Schon mit 14 Jahren hatte Denk im Betrieb der Eltern aushelfen müssen, weil es nicht genug Mitarbeiter gab. „Auch nach dem Krieg wurde er gebraucht, und das hörte nicht auf“, erzählte Michal. Als junger Mann habe er zwar noch aussteigen wollen, erzählte Karl Denk selbst vor einigen Jahren. Doch das änderte sich bald: Schließlich erkannte er in seiner Tätigkeit auch eine künstlerische Aufgabe: „Ich war bis zum Schluss begeisterter Bestatter.“
Eigentlich bis in den Tod hinein. Denn auch für seine eigene Bestattung hatte Denk die wichtigsten Eckpunkte festgelegt, erzählt Pfarrer Schlosser. Er hatte sich gewünscht, dass sein Sarg in der Kirche steht, „was er eigentlich bei jeder Beerdigung gerne gehabt hätte“. Auch die traditionelle Trauermesse mitsamt Eucharistiefeier war sein Wunsch gewesen, die „heilige Wandlung als Signal dafür, dass die Liebe stärker ist als der Tod“. Und die Musik: Die ehemalige Chor- und Orchestergemeinschaft „Musici Monacenses“ unter der Leitung von Heinz Schmidtpeter führt große Teile des Mozart-Requiems auf, sie sorgen mit diesem musikalischen Genuss für eine erhabene und würdevolle Atmosphäre.
Über 150 Leute sind gekommen, um von Karl Denk Abschied zu nehmen. Während draußen der Wind um die Heilig-Kreuz-Kirche pfeift, spricht drinnen Pfarrer Schlosser über den Menschen Karl Denk. Darüber, dass er nicht nur Patriarch und Künstler, sondern vor allem auch ein Familienmensch war. Seine Ehefrau, seine Geschwister, seine Eltern und Großeltern, die beiden Söhne und die sechs Enkel waren sein Leben. „Das war ihm sehr wichtig, dass jetzt auch ganz kleine Denks da sind.“ Ein Sohn ist mittlerweile in die Fußstapfen Karl Denks getreten, er führt nun das Bestattungsunternehmen in der fünften Generation – vielleicht wird es irgendwann auch eine sechste geben.