Bayern sicher wie seit 40 Jahren nicht

von Redaktion

Weniger Wohnungseinbrüche und weniger Gewalt: Die Kriminalstatistik für das Jahr 2019 zeigt einige gute Entwicklungen. Doch es gibt auch negative Tendenzen: Vor allem die Kriminalität im Internet bietet Anlass zur Sorge.

VON CLAUDIA SCHURI

München – Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sparte nicht mit Superlativen: Ein „phänomenales Ergebnis“ seien die Zahlen, Bayern habe einen „Spitzenplatz“ und „in Bayern leben heißt sicherer leben“, erklärte er gestern bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Er konnte gute Nachrichten verkünden: „Wir haben 2019 die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 40 Jahren und gleichzeitig die höchste Aufklärungsquote seit 25 Jahren.“

Insgesamt 567 961 versuchte oder vollendete Delikte gab es vergangenes Jahr in Bayern, rund 65 Prozent davon konnte die Polizei aufklären. Das sind 26 155 Taten weniger als 2018. 35,5 Prozent der Tatverdächtigen hatten nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus den Zahlen herausgerechnet sind ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einreise oder illegaler Aufenthalt. Aber auch diese nahmen ab.

Besonders positiv: „Bei den Wohnungseinbrüchen gab es einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen“, erklärte Herrmann. Von 100 000 Einwohnern wurden 33 Opfer eines Einbruchs – das sind 17,1 Prozent weniger als im Vorjahr. 2019 sank außerdem die Gewaltkriminalität um vier Prozent. Unter den insgesamt 19 953 Fällen waren 529 Straftaten gegen das Leben – über 90 Prozent davon wurden aufgeklärt. Bei 3561 Gewaltdelikten waren Zuwanderer tatverdächtig. „Opfer waren häufig andere Zuwanderer“, berichtete Herrmann. Auch hier gab es einen Rückgang von 8,4 Prozent.

Doch die Statistik zeigt auch negative Tendenzen: So stiegen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 4,9 Prozent auf 9050 Fälle. „Das liegt an der starken Zunahme der Verbreitung von pornografischen Schriften über Medien wie WhatsApp“, erklärte Herrmann. Sorgen macht ihm, dass oft auch Jugendliche über soziale Netzwerke derartige Beiträge verbreiten. „Das ist ein ernst zu nehmendes Problem“, sagte er. Es brauche eine stärkere Prävention, denn: „Die technische Ausstattung vieler junger Menschen geht ihrem Verantwortungsbewusstsein voraus.“ Immer wieder gibt es Fälle, dass in Klassenchats strafbare Inhalte verschickt werden. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass Schüler von Schulen in Schäftlarn (Kreis München) und Dachau in Gruppenchats rassistische Bilder geteilt haben.

Das Internet habe laut Joachim Herrmann generell „eine Schlüsselrolle als Tatmedium“. Bei der Internetkriminalität gab es 2019 einen Anstieg um 12,4 Prozent auf 29 717 Fälle. „Aber wir müssen von einer höheren Dunkelziffer ausgehen, weil viele Delikte nicht angezeigt werden“, erklärte Herrmann. Der offizielle Schaden durch Internetkriminalität lag bei 18,9 Millionen Euro. Stefan Schuster, innenpolitischer Sprecher der SPD, fordert deshalb „eine vernünftige Strategie gegen Cyberkriminalität“ mit Anlaufstellen und Strukturen.

Problematisch ist zudem, dass 2019 die Betrugsfälle durch falsche Polizisten um rund 14 Prozent gestiegen sind. Betrüger brachten Senioren dazu, ihnen Bargeld oder Schmuck im Wert von insgesamt 5,7 Millionen Euro auszuhändigen. „Das sind hochprofessionelle Tätergruppen, die arbeitsteilig agieren und grenzüberschreitend tätig sind“, berichtete Herrmann.

Schlechte Nachrichten gab es auch bei der Rauschgiftkriminalität: 2019 verzeichnete die Polizei 263 Drogentote, das sind 28 mehr als im Vorjahr. Herrmann sprach sich für eine harte Drogenpolitik aus: „Wir lehnen jede Bestrebung der Legalisierung ab“, sagte er.

Kritik an der Kriminalstatistik äußerte Grünen-Politikerin Katharina Schulze. Sie fordert einen periodischen Sicherheitsbericht. Außerdem müsse Hasskriminalität gegen Frauen als Kategorie aufgenommen werden.

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