München – Tutzing, Holzkirchen, Lindau, Würzburg und natürlich München: die Liste der Schulen, die wegen Coronavirus-Nachweisen geschlossen sind, wird täglich länger. Teilweise haben die Schulen, teilweise auch nur einzelne Klassen, bis zu zwei Wochen Zwangspause. „Uns hat’s kalt erwischt“, berichtet Robert Kling, stellvertretender Schulleiter des Maria-Ward-Gymnasiums. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass sich eine Schülerin infiziert hat – die Schule wurde abrupt geschlossen. Noch kurzfristiger war es am Münchner Rupprecht-Gymnasium: Erst am Sonntag um 19.31 Uhr, so informiert die Homepage, wurde klar, dass sich eine Lehrkraft infiziert hat: Schulfrei bis 20. März.
Doch Unterricht sollte es trotzdem geben, findet Martin Löwe, Chef des Bayerischen Elternverbands. Der Rosenheimer meint: „Jetzt ist Kreativität gefragt.“ Lehrer müssten nun digital mit Schülern kommunizieren. Da aber WhatsApp-Gruppen zwischen Schülern und Lehrern aus Datenschutzgründen verboten sind, bleibt nur ein Weg: die digitale Lernplattform mebis, die das Kultusministerium eingerichtet hat. „Wir werden zumindest unserer Oberstufe über mebis Aufgaben zukommen lassen und diese auch kontrollieren“, sagt Robert Kling vom Maria-Ward-Gymnasium. Lehrer können virtuelle Klassenräume einrichten, Unterrichtsmaterialien hochladen und Schülern auch ein Feedback geben. Der Klassenraum ist „datenschutzkonform“, versichert das Kultusministerium. Missbrauch ausgeschlossen.
In der Theorie klingt das einleuchtend. In der Praxis freilich müssen sich die meisten Lehrer mit mebis erst noch vertraut machen. Unterricht in Bayern lief bisher traditionell ab – der Lehrer kommt in das Klassenzimmer, die Schüler hören zu. Auf die digitale Welt dürften nicht alle Pädagogen vorbereitet sein. So schreibt das Rupprecht-Gymnasium auch betont vorsichtig davon, das Kollegium „bemühe“ sich, über mebis „die Schüler mit Hausaufgaben und Unterrichtsmaterialien zu versorgen“. Und weiter: „Bitte haben Sie Verständnis, dass diese Vorhaben in der Umsetzung zeit- und arbeitsintensiv sind und eine gewisse Anlaufzeit benötigen.“
Klar, sagt Martin Löwe vom Elternverband, Teile des Unterrichtsgeschehens ins Digitale zu verlagern, sei nicht leicht. „Das hängt vom Lehrer ab.“ Doch mebis sei sogar für Grund- und Mittelschulen geeignet. „Man muss es nur machen.“
Vize-Schulleiter Kling sagt, Lehrer, die mit mebis bisher nichts zu tun hatten, „müssen es jetzt eben lernen“. Allerdings sei die Lernplattform auch keine Lösung von Dauer. „Die Lehrkraft kann virtuell nicht nach vorne arbeiten“ – sprich neuen Stoff vermitteln. Das gehe nur von Angesicht zu Angesicht. Mebis sei zum Vertiefen und Wiederholen. Vorsichtshalber sollen an seiner Schule Unter-und Mittelstufe auf traditionellem Weg mit Lernstoff versorgt werden – via E-Mail an die Eltern.
Nach vorsichtigen Schätzungen wurde mebis bisher an 4200 Schulen (von 6000) schon einmal ausprobiert. Wahrscheinlich sind Lehrer nun gut beraten, sich schnell mit mebis vertraut zu machen. Denn die Zahl der geschlossenen Schulen steigt. Stand gestern Nachmittag waren 39 Schulen in Bayern durch Anordnung der örtlichen Gesundheitsämter ganz geschlossen, zudem gibt es zahlreiche Schulen, wo zumindest einzelne Klassen pausieren müssen.