Erzbistum verschiebt Taufen und Firmungen

von Redaktion

Krisenstab sagt „Kreuzweg der Völker“ in München ab – Friedensgruß ohne Händeschütteln

München – Das Corona-Virus macht auch vor den Kirchen nicht Halt, schließlich treffen sich dort Woche für Woche viele Menschen, die sich bei Gottesdienstfeiern nahe kommen. Sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche gibt es Empfehlungen zur Vermeidung von Ansteckungen. „Im Gottesdienst sollte in der nächsten Zeit auf das Händeschütteln beim Friedensgruß oder beim Verabschieden am Ausgang verzichtet werden. Auch das Herumreichen des Klingelbeutels könnte ein Infektionsrisiko darstellen“, schreibt der evangelische Landeskirchenrat allen Kirchengemeinden. Ebenso soll beim Abendmahl der Kelch nicht herumgereicht werden.

Im Erzbistum München und Freising ist gestern ein Krisenstab eingerichtet worden. Und gleich wurde eine weitreichende Entscheidung an die über 800 Pfarreien verbreitet: Firmungen, die bis Ostern geplant waren und Taufen sollen „bis auf weiteres“ verschoben werden. „Wir wissen, dass das ein großer Einschnitt ist, aber gerade bei diesen Feiern kommen junge und hochgefährdete ältere Menschen zusammen“, erklärte Domkapitular Thomas Schlichting, Leiter des Seelsorgeressorts des Ordinariats, im Gespräch mit unserer Zeitung. Er verwies auch darauf, dass zu diesen Festen meist Verwandte aus verschiedenen Regionen Deutschlands anreisen. Im Falle einer Infektion wäre eine noch größere Verbreitung zu befürchten. „So etwas sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Da hoffen wir auf Verständnis der Familien, man muss das Risiko sehen.“ Wenn nur ein Kind infiziert sei, dann wären in dem Bereich sämtliche Schulen betroffen, warnte Schlichting, weil bei den Firmungen in der Regel alle Schularten vertreten seien. Auch bei Taufen bestehe ein Ansteckungsrisiko: Es handele sich um ein Sakrament, bei dem der Sakramentenspender durch Salbung und Wasser mit Übertragungssubstanzen in Berührung komme – und damit auch der Täufling. „Das sind auch für die Kirche schwere Zeiten, weil wir ja auch vom Gemeinschaftscharakter leben.“

Auf dem Prüfstand stehen nun die gut besuchten Veranstaltungen in der Karwoche und an Ostern. Bereits jetzt steht fest, dass die traditionelle Prozession am Karfreitag in der Münchner Fußgängerzone, der „Kreuzweg der Völker“ mit bis zu 7000 Gläubigen, abgesagt wird. Die Karfreitagsliturgie wird in den Kirchen gefeiert. Wie man aber etwa im Liebfrauendom damit umgehen wird, wenn dort mehr als 1000 Menschen zusammenkommen, ist noch unklar. „Wir wissen nicht, was bis Ostern noch kommt“, sagte Schlichting. Ein Blick nach Italien zeige, was passieren kann: dort liegt das kirchliche Leben brach, alle öffentlichen Gottesdienste sind untersagt. „Da sind wir genauso wie alle anderen Veranstalter in der Pflicht, den dringenden Empfehlungen oder Anordnungen der Behörden Folge zu leisten“, betonte Schlichting. Es gehe ja nicht nur darum, dass man sich selbst gefährde – „in dem Moment, wo ich den Virus habe, werde ich für andere zur Gefahr“.

Dringend geraten wird den Pfarrgemeinden zudem, auf Mundkommunion zu verzichten und das Weihwasser aus den Becken am Eingang zu entfernen. Kindergottesdienste sollen verschoben und vorerst generell keine Chorproben sowie Kommunionhelferschulungen mehr gehalten werden. Wie es mit den Kinderkommunionen nach Ostern aussieht, das soll nach aktueller Lage entschieden werden. CLAUDIA MÖLLERS

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