So steht’s um Bayerns Umwelt

von Redaktion

Fortschritte beim Klima, aber Nachholbedarf bei Lärm- und Artenschutz: Alle vier Jahre zieht das Landesamt für Umwelt Bilanz über den Zustand der Umwelt in Bayern. Amtschef Claus Kumutat mahnt zu mehr Anstrengungen jedes Einzelnen.

. Klima und Energie

Der Klimawandel ist auch in Bayern angekommen: Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen im Freistaat wurden nach der Jahrtausendwende verzeichnet, heißt es im jüngsten Bericht des Landesamtes für Umwelt (LfU). Die Jahreszeiten beginnen früher, das Artenspektrum verändert sich, Unwetter nehmen zu.

Um diese Entwicklung zu bremsen, müssen weniger klimawirksame Treibhausgase ausgestoßen werden. Hier gibt es eine gute Nachricht aus Bayern: Die sogenannten energiebedingten CO2-Emissionen, die bei der Umwandlung und Nutzung fossiler Energieträger entstehen, sind von 1990 bis 2017 zurückgegangen – um 6,1 Millionen Tonnen auf 78,9 Millionen Tonnen. „Der Verkehr hat zu diesem Rückgang allerdings kaum etwas beigetragen“, sagt LfU-Präsident Claus Kumutat. Denn in diesem Sektor wurde 2017 mit 33,8 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen ein Höchstwert in diesem Jahrhundert erreicht. Für Kumutat ist klar: „In Sachen Klimaschutz müssen wir insbesondere im Verkehrsbereich vorankommen, um unsere CO2-Emissionen zu senken.“

Bei den erneuerbaren Energien verzeichnet das LfU aber einen beachtlichen Anstieg: Rund die Hälfte der bayerischen Stromerzeugung basiere inzwischen darauf.

. Natur und Landschaft

Bei der Entwicklung der Artenvielfalt gibt es laut Bericht noch keine Trendwende. Verbesserungen sind nur bei einzelnen Arten zu erkennen, für die besondere Schutzprogramme aufgelegt wurden. Das Ziel der Staatsregierung, bis 2020 die Gefährdungssituation für mehr als 50 Prozent der Rote-Liste-Arten um eine Stufe zu verbessern, sei aber nicht mehr zu erreichen. „Beim Thema Artenschutz müssen alle gemeinsam anpacken: Landwirtschaft, Kommunen, Verkehrsplaner, Industrie, Hauseigentümer“, sagt Kumutat. „Wir müssen mehr tun, sonst können wir den Verlust an Arten und Lebensräumen nicht bremsen.“

Erfreulich sei der deutliche Anstieg der ökologischen Landwirtschaft. Die helfe nicht nur Insekten und Vögeln, sondern schone auch den Boden. Von 2015 bis 2018 hat sich der Anteil um 50 Prozent erhöht, heute wird auf elf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch gewirtschaftet. „Darauf kann Bayern stolz sein“, sagt Kumutat.

. Umwelt und Gesundheit

Die Luftqualität in Bayern wird besser. Nicht nur die Feinstaubbelastung geht zurück. Auch beim Stickstoffdioxid ist ein abnehmender Trend erkennbar. Bei der Lärmbelastung sieht es dagegen weniger gut aus. Rund 350 000 Menschen seien in Bayern aktuell tagsüber einer Belastung von über 65 Dezibel ausgesetzt – ab diesem Wert gilt ein höheres Gesundheitsrisiko. „Mich überrascht, dass trotz einzelner Beschwerden die zunehmende Lärmbelastung scheinbar hingenommen wird“, sagt Kumutat.

Beim öffentlichen Nahverkehr gibt es nur wenig Bewegung. Während die Verkehrsleistung des ÖPNV bis 2010 anstieg, ist nun eine Stagnation eingetreten. „Einerseits wird nicht genug investiert, um das Angebot attraktiver zu machen – andererseits nehmen die Menschen selbst attraktive Angebot nicht ausreichend an“, sagt Kumutat.

. Ressourcen und Effizienz

Insgesamt wirtschaftet Bayern laut Bericht durchaus nachhaltig, denn die volkswirtschaftliche Wertschöpfung steigt stärker an als der Verbrauch von Rohstoffen, Energie, Wasser und Böden. Dennoch gehe der Freistaat mit seinem Boden nicht schonend genug um. Seit dem Jahr 2000 habe die Bodenversiegelung jährlich um durchschnittlich 44,7 Quadratkilometer zugenommen. Dieser Flächenverbrauch müsse erheblich verringert werden. Blickt man auf den Müll, ist weiterhin kein Rückgang in Sicht. 2018 fielen in privaten Haushalten pro Kopf rund 486 Kilogramm Abfälle an.

Für Kumutat zeigt der Bericht: „Wir sind auf einem guten Weg. Ich nehme wahr, dass der Umweltschutz in aller Munde und das Umweltbewusstsein gestiegen ist. Aber wenn es ans Handeln geht, könnten wir alle noch mehr tun. Egal, ob beim ÖPNV, beim Abfall oder beim Energieverbrauch.“ DOMINIK GÖTTLER

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