Virus lässt Bayern stillstehen

von Redaktion

Das Coronavirus bringt das Leben in Bayern immer mehr zum Stillstand: Veranstaltungen werden abgesagt, Museen und Bibliotheken schließen und auch das Vereinsleben wird zunehmend eingestellt. Ein Überblick.

VON CLAUDIA SCHURI

München – Die Empfehlung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war eindeutig: Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, werde von Veranstaltungen über 100 Teilnehmern „dringend abgeraten“, erklärte er gestern. Dazu werde eine kommunale Anzeigepflicht eingeführt.

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) kündigte außerdem an, dass bis zum Ende der Osterferien alle staatlichen Museen, Sammlungen, Archive und Bibliotheken für den Publikumsverkehr schließen, darunter die Bayerische Staatsbibliothek und die Bibliotheken an Hochschulen. Auch die KZ-Gedenkstätte Dachau ist ab Montag zu.

Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern reagierte mit Prüfungsabsagen bis 24. April. Betroffen sind in der Berufsausbildung der erste Teil aller kaufmännischen, gastronomischen und technischen Zwischen- und Abschlussprüfungen sowie alle Fortbildungsprüfungen, inklusive der Ausbildereignungsprüfung. Bei Sach- und Fachkundeprüfungen wird im Einzelfall entschieden.

Auch viele Veranstaltungen finden nicht statt. Einige Beispiele: Die Klosterbrauerei Reutberg sagt das Josefifest in Sachsenkam (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und die Generalversammlung ab, der Bayerische Waldbesitzerverband seine Jahresmitgliederversammlung und die Justizvollzugsanstalt Straubing das Gefangenentheater. Die Kulmbacher Motorradsternfahrt fällt ebenfalls aus. Der Flughafen München schließt das Besucherzentrum und setzt Rundfahrten aus.

Die Virusgefahr beeinflusst auch das Vereinsleben. „Jetzt ist Hauptkonzertzeit“, sagt Franz Kellerer, stellvertretender Landesdirigent im Bayerischen Blasmusikverband. „Soweit ich weiß, haben alle Kapellen ihre Konzerte abgesagt oder verschoben.“ Im Verband gibt es bis 19. April keine Fortbildungen und die Mitgliedsvereine sind dazu aufgerufen, keine Proben mit Jugendgruppen abzuhalten.

Ähnlich ist es beim Bayerischen Trachtenverband: „Versammlungen und Jugendproben sollten bis einschließlich der Osterferien eingestellt werden“, lautet die Empfehlung. „Die endgültige Entscheidung liegt bei den Vereinsvorständen“, sagt der Landesvorsitzende Max Bertl. Auch der Bayerische Sportschützenbund rät den Vereinen, sämtliche Veranstaltungen und den Trainingsbetrieb einzustellen. Meisterschaften seien ausgesetzt „und den Bezirken und Gauen empfehlen wir, den Ligabetrieb einzustellen“, sagt Geschäftsführer Alexander Heidel.

Für die Gastronomie sind es schwere Zeiten. „Es ist die schwerste Krise seit Jahrzehnten“, sagt Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. „Ohne staatliche Hilfen wird es massenhafte Insolvenzen geben“, sagt er. Fast alle Wirte haben weiter geöffnet: „Jeder versucht, den Umsatz noch mitzunehmen“, sagt John. Feste Regeln, wie mit privaten Veranstaltungen, beispielsweise Hochzeiten mit mehr als 100 Besuchern, umgegangen wird, gibt es nicht: „Das muss man im Einzelfall abwägen.“

Die Coronakrise bringt einige Gastronomen aber auch auf kreative Ideen: Barbara Stadler vom Kirchenwirt in Anzing (Kreis Ebersberg) hat ein Wirtshaus-Drive-in geschaffen: Gäste können telefonisch Speisen bestellen und an einem extra eingerichteten Schalter abholen.

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