Die große Leere am Flughafen

von Redaktion

Normalerweise tummeln sich am Flughafen München die Reisenden voller Vorfreude auf den Urlaub. In diesen Tagen aber ist das anders. Wegen des Coronavirus sind nur wenige Passagiere unterwegs – und bei vielen ist die Stimmung angespannt.

VON CLAUDIA SCHURI

München – Dort, wo es normalerweise lange Menschenschlangen gibt, herrscht in diesen Tagen Leere. Eine Familie aus Irland, Vater, Mutter und zwei erwachsene Kinder, trägt Masken und Handschuhe. „Wir wollen vorbeugen“, erklärt die Mutter. Die vier waren drei Tage in Bayern im Urlaub, jetzt fliegen sie zurück nach Dublin. „Zum Glück wird unser Flug schon auf der Tafel angezeigt“, sagt die 60-Jährige. Denn viele andere Flüge sind annulliert. Die Familie gibt gleich ihr Gepäck ab, anstehen muss sie dazu nicht.

Am Flughafen München sind nur wenige Passagiere unterwegs. In den ersten beiden Märzwochen ging die Anzahl der Starts und Landungen um 16 Prozent zurück. Am Dienstag waren es nur halb so viele – gut 500 statt wie sonst 1000. Das Passagieraufkommen sank im gleichen Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent. Es herrscht Krisenstimmung. Die großen Arbeitgeber, etwa die mit der Abfertigung von Flugzeugen beauftragte Swissport Losh mit 900 Beschäftigten, bereiten Kurzarbeit vor. „Wir werden Ende März, definitiv aber Anfang April in Kurzarbeit gehen“, sagt Betriebsratschef Michael Batog. „Wir hoffen, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können.“

Vielen Reisenden ist anzumerken, dass sie angespannt sind. „Die Leute sind auf jeden Fall vorsichtiger“, sagt Rosemarie Graßl, die in einem Buchladen am Flughafen arbeitet. „Auch sehr viele junge Leute tragen Mundschutz, egal aus welchen Ländern sie kommen.“ Sie selbst sieht die Situation gelassener. „Zum Glück bin ich kein Risikopatient“, sagt sie. „Angst habe ich nicht, aber ich bin natürlich vorsichtiger.“ Ab heute ist sie sowieso freigestellt: Wie viele andere Geschäfte muss auch der Buchladen schließen. „Schon in den letzten Tagen sind immer weniger Kunden gekommen“, sagt Graßl.

Keine Panik, aber Achtsamkeit hält auch Corina Daju für das richtige Vorgehen. Sie arbeitet beim Sicherheitsdienst und ist beim Self-Check-In und bei der Gepäckabgabe eingesetzt. „Ich desinfiziere mir zum Beispiel öfter die Hände als sonst“, sagt sie. „Je nachdem, wo ich gerade arbeite, trage ich auch Handschuhe.“

Desinfektionsmittel, Handschuhe und eine Atemschutzmaske hat Mateo Hörmann aus Wien im Gepäck. Der 23-Jährige war fünf Monate in Israel, wo er Freiwilligenarbeit geleistet hat. Eigentlich wollte er bis Mitte April dort bleiben, den Rückflug hatte er bereits gebucht. „Wegen der Coronakrise bin ich jetzt aber doch früher nach Hause“, sagt er. Doch einen Direktflug gab es nicht mehr. Es folgte eine Odyssee: Zuerst buchte er einen Flug über Griechenland. „Doch der wurde auch abgesagt“, erzählt er. Wieder buchte er um, dieses Mal mit einem Zwischenstopp in Istanbul. Eigentlich sollte er von dort aus direkt nach Österreich fliegen – doch dieser Flug wurde ebenfalls annulliert. Mit viel Glück ergatterte er kurzfristig einen Flug nach München und einen weiteren Anschlussflug nach Wien. „Jetzt hoffe ich, dass endlich alles klappt“, sagt er. „Es ist alles sehr stressig.“

Im Ankunftsbereich haben sich trotz der Virusgefahr einige Angehörige versammelt. Ein Mann wartet mit einem Strauß roter Rosen, zwei Frauen mit mehreren Luftballons mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen“. Die Erleichterung der Wartenden ist groß, wenn die Passagiere endlich aus dem Sicherheitsbereich kommen. mit sb/dw/lby

Artikel 2 von 11