Eitting – 2,8 Millionen Rollen: So viel Toilettenpapier wurde zum Beispiel am Dienstag ins Zentrallager von Rewe Süd in Eitting (Kreis Erding) geliefert. Auch sechs Lastwagen voll mit Nudeln kamen herein. „Aktuell ist es in der Auslieferung täglich wie an Weihnachten und Ostern“, erklärte Gustav König, Logistikleiter bei Rewe Süd. „Die Regale sind voll.“
Das zeigten er und Volker Hornsteiner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Rewe Süd, gestern Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei einem Rundgang durch das Logistikzentrum. „Es ist wichtig, auch ein Signal zu setzen, dass es keine Hamsterkäufe braucht“, erklärte Söder. „Die Versorgungslage ist gesichert.“
Rund 300 Kernartikel seien „in jedem Fall, an jedem Tag in der Nachlieferung“, erklärte Gustav König. Auch frische Artikel würden täglich ausgeliefert, das Trockensortiment alle zwei Tage. Nicht Lieferengpässe, sondern die immense Nachfrage durch unverantwortliche Käufer sei der Grund für die leeren Supermarktregale.
Von dem Zentrum werden rund 640 Märkte in ganz Südbayern beliefert, es gibt dort 32 000 Palettenstellplätze. Im Trockensortimentslager, wo sich zum Beispiel alkoholfreie Getränke, Mehl, Zucker oder eben Nudeln und Toilettenpapier stapeln, sind die Regale zehneinhalb Meter hoch – und gut gefüllt. Es ist viel los: Zahlreiche Mitarbeiter transportieren mit Schnellläufern und Gabelstaplern Waren durch die Gänge und heben sie in die Regale. Währenddessen stehen draußen die Lastwagen Schlange: Normalerweise kommen täglich 190 Lkw mit Warenlieferungen an, in diesen Tagen sind es 260. „Wir schieben permanent Ware nach, wir arbeiten am absoluten Limit“, betonte König. Der Betrieb laufe inzwischen rund um die Uhr.
Die Mitarbeiteranzahl im Logistikzentrum wird deshalb aufgestockt, sogar aus dem europäischen Ausland wie zum Beispiel aus Polen und Kroatien kommen Arbeiter nach Bayern. Dabei gibt es jedoch ein Problem: „Es gibt Rückstau an der Grenze“, berichtete Volker Hornsteiner. Das betreffe zum einen das Personal, zum anderen die Lkw mit Warenlieferungen. Spezielle Fahrspuren könnten helfen, damit die Lkw und Mitarbeiter nicht im Stau stehen.
Um mehr Personal für den Lebensmittelhandel zu gewinnen, gab Söder außerdem bekannt, die Minijobregeln so flexibel wie möglich auszulegen. Zudem werde gerade ein Arbeiterportal entwickelt. „Leute, die in der Gastronomie nicht mehr beschäftigt sind, können eine Perspektive bekommen“, erklärte Söder. Sie könnten zum Beispiel in Supermärkten einen neuen Job finden. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, könnte sich der Ministerpräsident außerdem in den Lebensmittelmärkten Abstandsregeln vorstellen. Er verwies auf Dänemark, wo Markierungen am Boden den Kunden zeigen, wie viel Mindestabstand sie an den Kassen zueinander halten sollen.
Auch Volker Hornsteiner kündigte weitere Maßnahmen für die Rewe-Lebensmittelmärkte an. „Die Kassenmitarbeiter werden mit Plexiglasscheiben geschützt“, sagte er. Sie sollen eineinhalb Meter hoch sein und keine Möglichkeiten zum Durchgriff haben. Ein derartiges Schutzschild testet außerdem der Discounter Aldi Süd. Bei Rewe stünden laut Hornsteiner zudem Sicherheitsmitarbeiter „auf Abruf bereit“, um bei Bedarf die Zugänge zu regulieren. mit lby