München – Das neuartige Coronavirus stellt die ambulanten Pflegedienste in Bayern vor große Schwierigkeiten. Die Menschen, die sie versorgen, sind meist alt und krank und laufen so Gefahr, an schweren Verläufen des Virus zu erkranken. Die Pflegedienste beschwichtigen – man lasse niemanden im Stich. Mit erhöhten Hygienevorkehrungen geht der Service uneingeschränkt weiter – noch. Denn Handschuhe und Desinfektionsmittel werden langsam knapp.
„Wir sind an der Grenze unserer Kapazitäten“, sagt Armin Heil, Leiter eines ambulanten Pflegedienstes in Tutzing (Kreis Starnberg). Unter strengen Hygieneregeln seien seine Mitarbeiter weiterhin rund um die Uhr im Einsatz, um alten und kranken Menschen auch während der Coronakrise unverzichtbare Unterstützung zu Hause zu bieten – ob beim Essen, Waschen oder vielen anderen täglichen Aktivitäten. „Wir geben uns die größte Mühe, den Alltag so zu führen, wie er vorher war.“
Das Problem: Weil Mundschutze, Handschuhe und Kleidung ständig gewechselt und Desinfektionsmittel noch häufiger als sonst genutzt werden müssen, würden bei diversen Pflegediensten langsam die Hygiene- und Desinfektionsmittel knapp. Hier sieht Armin Heil die Staatsregierung in der Pflicht: „Das ist ein Versorgungsdefizit, was wir jetzt noch haben.“ Inzwischen hat die Staatsregierung Aufträge für die Produktion von Atemmasken in Bayern vergeben. 10 000 Masken am Tag sollen geliefert werden.
Für die ambulanten Pflegedienste des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sei es das Wichtigste, dass kein Pflegebedürftiger allein zu Hause unversorgt bleibe. „Unser ganz großes Ziel und Anliegen ist, dass wir den hilfsbedürftigen Menschen weiterhin die Pflege bieten, die sie brauchen“, so Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Der Hausservice laufe deswegen auch in der Coronakrise in vollem Umfang weiter, „aber unter erschwerten Bedingungen“.
Wenn der Patient zum Beispiel nur Essen gebracht bekommen müsse, werde dafür gesorgt, dass die oder der Pflegebedürftige nicht im gleichen Raum sei. Bei weitreichenderen Pflegeangeboten sei diese Distanz dann aber unmöglich, sagt Taheri-Sohi: „Man kann niemanden mit eineinhalb Metern Abstand waschen.“ Auch beim BRK würden deshalb die Hygienemaßnahmen erhöht, Mundschutze ständig ausgetauscht und Desinfektionsmaßnahmen noch häufiger als sonst durchgeführt.
Diese verschärften Hygienestandards stehen auch bei den häuslichen Pflegediensten der Bayerischen Johanniter auf dem Tagesplan – zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern, sagt Sprecherin Carolin Mauz. Auch hier laufe der Pflegeeinsatz für Alte und Kranke im häuslichen Umfeld zunächst uneingeschränkt weiter. „Wir lassen in dieser schwierigen Zeit natürlich niemanden im Stich.“
Das absolute Schreckensszenario für Taheri-Sohi? Wenn nicht mehr genug Mitarbeiter einsatzfähig wären, um die Pflege komplett aufrechtzuerhalten. „Davon sind wir jetzt noch weit entfernt. Aber das ist bei der Entwicklung der Fallzahlen ein Szenario, das uns nachdenklich stimmt. Das wäre für uns das Schlimmste, was passieren kann.“
JOSEFINE KAUKEMÜLLER