Die Corona-Sorgen der Tierfreunde

von Redaktion

Es sind gerade schwierige Zeiten – auch für viele Tierfreunde. Etliche Tierheime und Höfe haben mit den Folgen des sich ausbreitenden Coronavirus zu kämpfen. Doch eine gute Nachricht gibt es für alle Tierhalter.

VON CLAUDIA SCHURI

München – Das Coronavirus hält ganz Bayern in Atem. Sorgen machen sich deshalb auch viele Tierhalter. Die gute Nachricht vorweg: „Nach derzeitigem Wissensstand ist das Virus nicht ansteckend für Tiere“, erklärt Katharina Bergmaier, Tierärztin in der Tierpraxis Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen. Haustiere seien außerdem keine Virusübertrager.

Darauf weist auch das Friedrich-Loeffler-Institut hin. „Der Kontakt gesunder Personen zu Haustieren muss nach den derzeitig verfügbaren Informationen nicht eingeschränkt werden“, heißt es von Seiten des Instituts. Auch wer sich in häuslicher Quarantäne befinde, muss sich nicht von seinem Hund oder seiner Katze trennen. Allerdings könne im Einzelfall, wenn ein Tier doch Symptome haben sollte, ein Test ratsam sein. Dann sei es wichtig, dass sich das Gesundheitsamt mit dem Veterinäramt in Verbindung setzt. Das Friedrich-Loeffler-Institut rät außerdem Personen, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt ist, besonders engen Kontakt mit den Haustieren wie zum Beispiel das Abschlecken des Gesichts durch Tiere zu vermeiden.

In den letzten Tagen hatte Tierärztin Katharina Bergmaier mehrere Anfragen von besorgten Tierbesitzern, die sich unsicher waren, ob das Virus für Tiere gefährlich ist. Ansonsten sei in der Praxis aber alles ruhig. „Wir haben ein paar Sicherheitsmaßnahmen eingeführt“, sagt sie. Unter anderem schützt beim Empfang eine Plexiglasscheibe die Mitarbeiter. „Wir nehmen an der Anmeldung die Tiere direkt den Besitzern ab“, erklärt Bergmaier.

In der Praxis von Dorothea Lämmle, Tierärztin aus Ebersberg, darf eine Person mit in den Behandlungsraum. „Die Tierbesitzer sind sehr vernünftig“, sagt sie. „Alle nicht notwendigen Termine sagen wir ab.“ Die offene Sprechstunde ist eingestellt. Bei der Notversorgung achtet sie ebenfalls darauf, den Kontakt zu den Tierhaltern so weit wie möglich einzuschränken.

Auch beim Tierschutzverein Dachau konzentriert man sich bei der tierärztlichen Versorgung auf Notfälle. „Das Problem ist auch, dass es nicht ausreichend Desinfektionsmittel und Mundschutz gibt“, sagt Silvia Gruber, die das Dachauer Tierheim leitet. Für sie bedeutet das Coronavirus „massive Probleme“. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt und das Tierheim für Besucher geschlossen. Zudem ist das Gassigehen mit Tierheimhunden nicht mehr erlaubt. Nachdem viele Unternehmen ihren Betrieb eingestellt haben, bekam Gruber zahlreiche Anfragen von Bürgern, die anboten, sich in der freien Zeit im Tierheim zu engagieren. „Prinzipiell eine schöne Idee“, sagt sie. „Aber wir reduzieren zur Sicherheit die Zahl der ehrenamtlichen Helfer auf ein Minimum.“ Sie hat bereits Passagierscheine für die Helfer vorbereitet und hofft, dass es im Umfeld des Tierheims zu keinem Coronafall kommt. Trotzdem gibt es schon Notfallpläne: „Wir können nicht einfach zusperren, wir haben ja Lebewesen zu versorgen.“

Bei den Reiterhöfen in Bayern läuft deshalb der Betrieb weiter. „Es sind harte Zeiten“, sagt Evelyn Herrmann vom Reitstall Pöcking (Kreis Starnberg), wo rund 30 Pferde stehen. Die Reitschule ist seit vergangenem Montag geschlossen. Mit kleinen Geschichten und Fotos in sozialen Netzwerken hält sie ihre Reitschüler auf dem Laufenden.

Die Pferde werden alle weiterhin gut versorgt und bewegt. „Aber natürlich in eingeschränkter Form und so knapp wie möglich.“ Das gilt auch für Pferdebesitzer, die ihre Tiere in dem Reitstall untergestellt haben. „Sie sollen über den Tag verteilt einzeln kommen“, erklärt Herrmann. Außerdem gelten weitere zusätzliche Hygieneregeln. „Das Stallequipment darf nicht mehr gemeinsam genutzt werden“, sagt sie. Zudem stünde Desinfektionsmittel bereit. Trotz aller Schwierigkeiten: Herrmann hat den Optimismus noch nicht verloren. „Wir haben sehr viele Hilfsangebote bekommen. Wir sind überwältigt“, erzählt sie und verspricht: „Wenn das alles vorbei ist, machen wir ein großes Fest.“

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