München – Ein „riesen Kraftakt“ sei es gewesen, sagt Erik Ipsen, Geschäftsleiter der Stadt Ebersberg. Rund 9600 Wahlberechtigte gibt es in der Stadt – und rund 9600 Briefwahlunterlagen mussten die Gemeindemitarbeiter eintüten. „Inzwischen haben unsere Mitarbeiter die Unterlagen persönlich zugestellt“, berichtet Ipsen.
Die Stichwahl am kommenden Sonntag ist die erste Wahl, bei der die Wähler bayernweit nur per Briefwahl abstimmen können. Ausgezählt wird am Wahlsonntag ab 18 Uhr. „Aufgrund der aktuellen Situation ist es jedoch durchaus möglich, dass sich die Auszählung bei einzelnen Gemeinden verzögern kann“, sagt Sandra Schließlberger, Sprecherin des Innenministeriums. Die Vorbereitungen laufen bereits und sind eine Herausforderung: Das fängt bei der Beschaffung der Wahlunterlagen an. Vor einigen Wochen rechnete niemand damit, dass so viele Umschläge und Kuverts benötigt werden .„Als Kontingent hatten wir zuerst nur die Hälfte der Unterlagen“, sagt Ipsen. „Wir mussten nachbestellen.“ Doch die nachgelieferten Umschläge waren nicht bedruckt. Dank der Hilfe einer Druckerei wurde das Problem gelöst.
Ähnlich war es in der Stadt Erding: „Wir haben die Druckereien auf die besondere Situation hingewiesen und die Unterlagen noch bekommen“, berichtet Christian Wanninger von der Stadt. Rund 100 Gemeindemitarbeiter waren von Donnerstag bis Freitag damit beschäftigt, die Unterlagen vorzubereiten. Der Rathausbetrieb ruhte. In manchen Gemeinden wie Pöcking und Feldafing im Kreis Starnberg stempelten die Mitarbeiter die Unterlagen sogar per Hand.
Sorgen macht manchen Kommunen außerdem die Zustellung. Problematisch könnte es werden, wenn nicht ortskundige Austräger Wahlscheine nicht zustellen könnten, „weil beim Betreffenden der Briefkasten fehlt oder nicht beschriftet ist“, befürchtet zum Beispiel Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner.
Im Landkreis Freising gibt es deshalb in jeder Gemeinde eine Stelle, in der Wähler am Sonntag bis 15 Uhr noch die Unterlagen holen könnten. „Aber nur im Notfall, falls die Zustellung nicht geklappt hat“, sagt Landratsamts-Pressesprecherin Eva Zimmerhof. Auch wenn es in Freising viele Coronafälle gibt, ist sie zuversichtlich, dass die Wahl gut abläuft. „Nach jetzigem Stand gibt es genügend Helfer“, sagt sie.
Hier sind die Erfahrungen der Kommunen unterschiedlich. „Weil es nur die Briefwahl gibt, brauchen wir weniger Personal“, sagt Ipsen von Ebersberg. „Das ist kein Problem.“ In Wolfratshausen dagegen haben sich die Reihen der Helfer bereits gelichtet. Eine Herausforderung wird der Wahlabend für die Gemeinde Ottobrunn (Kreis München): Dort haben sich der Wahlleiter und weitere Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Viele Angestellte und der Bürgermeister mussten in Quarantäne. In der Gemeinde Miesbach werden in diesen Tagen alle Helfer noch einmal kontaktiert: „Wir fragen, ob sie noch fit sind“, sagt Sandra Bauer aus Miesbach. „Älteren überlassen wir die Entscheidung, ob sie helfen möchten.“ Derzeit gebe es noch ausreichend Helfer.
Im AWO-Seniorenzentrum Inge-Gabert-Haus in Miesbach sind die Wahlunterlagen schon angekommen. „Wir haben die Unterlagen an die Bewohner verteilt“, sagt Mary Di Bella. Weil Senioren besonders vom Coronavirus bedroht sind, sollten sie die Unterlagen nicht persönlich abgeben. „Sie füllen sie aus und wir geben sie weiter“, erklärt Di Bella. So ist es auch beim Heiligspitalstift in Freising. „Die Mitarbeiter werfen die Unterlagen in den Briefkasten der Gemeinde“, sagt der Leiter Andreas Knott. Werden Unterlagen zu Angehörigen geschickt, könnten diese sie an der Rezeption abgeben. Schöner Nebeneffekt: „Über die Türe können die Bewohner ihre Angehörigen sehen“, sagt Knott. „Das tut der Seele gut.“ cla/ike/cce/ ja