München – Der Tegernseeer Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hatte in Absprache mit den anderen Bürgermeistern im Tegernseer Tal (Kreis Miesbach) einen Brandbrief an Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) geschickt: Er forderte eine Ausflugssperre, um zu verhindern, dass trotz der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus weiterhin viele Tagesausflügler ins Tal kommen (wir haben berichtet). Die Gemeinde Kreuth (Kreis Miesbach) sperrte am Freitag die von der Gemeinde bewirtschafteten Wanderparkplätze. Außerdem stellte die Tegernseer Tal Tourismus GmbH die Werbung fürs Tal ein.
Inzwischen haben sich Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) gegen Ausflugssperren ausgesprochen. Herrmann rief zur Vernunft auf: „Es ist sicherlich nicht der Sinn der Sache, dass ich jetzt 50 Kilometer mit dem Auto fahre, um dann zehn Minuten spazieren zu gehen“, sagte er dem Radiosender Antenne Bayern. „Dass man am Tegernsee oder am Walchensee dann plötzlich wieder auf einem Haufen mit 50 anderen ist, sollte vermieden werden und darüber sollte wirklich jeder nachdenken.“
Tatsächlich ist in den meisten Touristenorten weniger los – einzelne Ausnahmen gibt es aber. So auch an einem Wohnmobilstellplatz am Sylvensteinspeicher: „Dort werden immer noch Grillpartys gefeiert“, sagt Werner Weindl, Bürgermeister von Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). „Wir haben es schon weiter gemeldet, aber es zu unterbinden, ist schwierig.“ Das Brauneck ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Gemeinde. „Auch jetzt sind noch ein paar Ausflügler da“, berichtet Weindl. „Aber es ist sehr viel ruhiger.“ Ähnlich ist es in der Gemeinde Wackersberg, wo der Blomberg normalerweise viele Besucher anzieht. „Probleme gibt es bei uns nicht“, sagt Jan Göhzold, derzeitiger Geschäftsstellenleiter und künftiger Bürgermeister.
Auch Christian Schiller, Bürgermeister in Herrsching am Ammersee (Kreis Starnberg), berichtet, dass sich am Wochenende der Besucherandrang „sehr in Grenzen gehalten“ habe. Klaus Götzl ist Tourismusleiter für die Region Starnberg und Ammersee. Gestern war er am Ammersee: „Ich arbeite seit 33 Jahren im Tourismus und habe noch nie erlebt, dass alles so leer ist wie jetzt“, sagt er. Am Dampfersteg und der Seepromenade seien nur vereinzelt Einheimische mit dem Hund spazieren gegangen. „Normalerweise sind dort auch unter der Woche mehr Leute“, sagt er. „Heute waren alle Parkplätze leer.“
Seine Kollegin am Starnberger See hat ähnliche Beobachtungen gemacht: „Hier ist alles sehr entspannt, es sind kaum Menschen unterwegs.“ Lena Choi, Sprecherin der Stadt Starnberg, ist zufrieden: „Am Wochenende war die Seepromenade wie leer gefegt“, sagt sie. cla/gr/lby