Weniger Tierversuche in Bayern

von Redaktion

München/Würzburg – Die Zahl der Tierversuche in Bayern ist rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden 282 Tierversuche genehmigt, wie die zuständigen Regierungen von Oberbayern und Unterfranken auf Anfrage mitteilten. Im Jahr zuvor waren es 354 Genehmigungen gewesen. Die Regierung von Unterfranken erlaubte für die drei fränkischen Bezirke sowie die Oberpfalz 127 Tierversuche. Den Angaben zufolge wurden diese für 466 000 Mäuse, 49 800 Ratten, 2200 Fische, 60 Gerbils (Rennmäuse), zwei Uhus, 500 Schweine und 60 Fledermäuse genehmigt. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Tiere auch zum Einsatz kommen, sagte ein Sprecher.

Für Ober- und Niederbayern sowie Schwaben genehmigte die Regierung von Oberbayern im vergangenen Jahr 155 Tierversuche. Für die Versuche sollten überwiegend Ratten und Mäuse eingesetzt werden. In diesem Jahr liege ein Antrag auf ein Versuchsprojekt im Zusammenhang mit der Erforschung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 vor, sagte eine Sprecherin.

Bei ihrer Entscheidung, einen Tierversuch zu genehmigen, sind die Behörden an das Tierschutzgesetz gebunden. Versuche mit Tieren dürfen danach nur genehmigt werden, wenn sie der Grundlagenforschung oder der Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten dienen. Die zu erwartenden Schmerzen der Tiere müssen ethisch vertretbar sein. Sollte es andere Möglichkeiten geben, die Forschungsergebnisse zu erreichen, müssen diese genutzt werden.

Die Augsburger Medizinerin und Vorstandsmitglied bei Ärzte gegen Tierversuche, Rosmarie Lautenbacher, kritisierte die Versuche. Gerade in der Corona-Krise zeigten sich die Vorteile alternativer Forschungsmethoden. Dazu gehörten aus menschlichen Zellen gezüchtete Organe wie Miniherzen und Minihirne oder Lungen, die mittels 3D-Druck hergestellt werden könnten. Auch sogenannte Multi-Organ-Chips, auf denen menschliche Zellmodelle der Lunge und anderer Organe zusammengeschaltet sind, seien ideal geeignet, um Infektionsforschung zu betreiben und könnten für die Erforschung eines Impfstoffs eingesetzt werden. „Testungen am Tier sind viel zu langwierig und nur unzuverlässig auf den Menschen übertragbar“, sagte die Ärztin. Die reguläre Entwicklung von Impfstoffen mittels Tierversuchen dauere mindestens zehn Jahre.

In einer Online-Petition fordert der Verein den Verzicht auf ein Tierversuchslabor auf dem neuen Universitätscampus in Augsburg und die Umwidmung der Mittel für tierversuchsfreie Forschungsmethoden.  dpa

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