München – Zuzug, Zuzug, Zuzug – das war der Trend im Großraum München in den vergangenen Jahren. Jedes Jahr legte die Region München, die die Stadt München und die acht umliegenden Landkreise umfasst, an Einwohnern zu – in den vergangenen zehn Jahren besonders. Heute leben hier etwa 2,9 Millionen Menschen. Doch die Corona-Krise könnte diesen Trend beenden, sagt Christian Breu, Geschäftsführer des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München, bei der Vorlage neuer Regionaldaten. „Da das Wachstum wirtschafts-getrieben war, erwarte ich, dass die Zunahme der Einwohnerzahl künftig deutlich geringer ausfallen wird.“ Ob es auf Null sinkt, vermag Breu noch nicht zu sagen. Sicher aber sei, dass die Corona-Krise zu einer veritablen Wirtschaftskrise führe – und sich der Zuzug in die Region deutlich abschwächen werde.
Für den Großraum München könnte die Wachstumsbremse durchaus auch wohltuende Effekte haben. Zuletzt war es so, dass die Stadt München sogar angestammte Einwohner verlor. Sie flüchteten regelrecht ins Umland, nach Angaben des Planungsverbands vor allem „wegen der stark gestiegenen Wohnkosten“. So zogen 2017 über 26 000 Münchner ins Umland, aber nur 17 800 kamen vom Umland in die Stadt „Den größten Austausch hat die Stadt München mit den Landkreisen München und Fürstenfeldbruck“, berichtet der Planungsverband. Rund 40 Prozent der Menschen, die München verließen, sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.
Es ist nur logisch, dass auch die Pendlerströme zwischen den beiden Landkreisen Fürstenfeldbruck und München mit der Stadt am intensivsten sind – was Rückschlüsse darüber zulässt, wo auch der S-Bahn-Ausbau am dringendsten wäre. So pendeln aus Fürstenfeldbruck täglich 36 000 Menschen nach München, in umgekehrter Richtung sind es nur 7000. Der Austausch Stadt/Landkreis München ist noch größer: 66 000 pendeln ins Zentrum, sogar 81 000 raus zu den großen Firmen wie Allianz (Unterföhring) oder Linde (Pullach).
Insgesamt bemerkt Breu einen Trend zur „Verflechtung“ zwischen Stadt und Landkreisen. Sie verschmelzen – sichtbar ist das etwa in Freiham, wo die Stadt München bis dicht an die Grenze Germerings baut. Deshalb macht für Breu auch der Vorschlag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), einen eigenen Regierungsbezirk für die Stadt München einzurichten, wenig Sinn. „Es wäre falsch, künstliche Bezirksgrenzen in den Ballungsraum durchzulegen.“