Wahlkampf per Post statt Hausbesuch

von Redaktion

19-Jähriger will jüngster Bürgermeister werden

Lichtenberg – Er könnte am Sonntag der jüngste Bürgermeister Bayerns werden: Der 19-jährige Kristan von Waldenfels (CSU) hat es bei der Bürgermeister-Wahl seiner Heimatgemeinde Lichtenberg (Kreis Hof), der zweitkleinsten Stadt Bayerns, in die Stichwahl geschafft. Der Student erhielt 47,9 Prozent der Stimmen. Sein Gegenkandidat, Jürgen Lindner (SPD), kam auf 46,7 Prozent. In Zeiten von Corona hat von Waldenfels seinen Wahlkampf auf altmodische Art und Weise geführt: Er hat den Lichtenbergern Briefe geschrieben.

Herr von Waldenfels, wie viele Briefe haben die Lichtenberger von Ihnen erhalten?

Insgesamt waren es mehr als 14 Briefe. Lichtenberg hat 500 Haushalte, also haben wir die Briefe 500 Mal kopiert und dann ausgetragen. Normalerweise hätte ich Hausbesuche gemacht und Infoveranstaltungen abgehalten. Aufgrund der Corona-Krise ging das natürlich nicht.

Sie sind 19 Jahre, studieren im dritten Semester Jura an der Uni in Bayreuth. Andere wären damit ausgelastet, Sie hingegen wollen Bürgermeister werden. Schon überlegt, wie Sie das zeitlich hinbekommen wollen?

Das habe ich mir überlegt. Ich habe mich umfassend informiert, was auf mich zukommt, und weiß deshalb, dass ich beides unter einen Hut bekomme. Ich würde, sollte ich die Stichwahl gewinnen, einfach etwas langsamer studieren als meine Kommilitonen. Aber das nehme ich gerne in Kauf. Auf der anderen Seite glaube ich, dass sich Studium und Bürgermeisteramt wunderbar ergänzen. Nehmen wir das für viele eher langweilige Verwaltungsrecht. Wenn andere in der Vorlesung einschlafen, wird es für mich erst richtig interessant. Was ich im Studium lerne, könnte ich in der Praxis gleich anwenden und umgekehrt würde mir die praktische Erfahrung im Studium helfen.

Für Studentenpartys und Co hätten Sie aber in jedem Fall weniger Zeit.

Das stimmt. Wobei ich sagen muss, dass ich mich ja jetzt schon in meiner Freizeit sehr viel mit Kommunalpolitik beschäftige. Das macht mir einfach Spaß.

Was macht Ihnen außer Jura und Politik Spaß?

Ich treffe mich mit meinen Freunden, Politik spielt da keine große Rolle und das ist wichtig. Außerdem bin ich oft mit meinem Mountainbike unterwegs. Ich liebe Musik, ich selbst spiele Geige. Und ich schaue gerne Serien. „Stromberg“ ist meine Lieblingsserie, da kann ich gut abschalten.

Seit wann engagieren Sie sich politisch?

Ich war schon immer jemand, der sich gerne für andere einsetzt, ich war zum Beispiel Klassen- und Schülersprecher. Für Politik interessiere ich mich seit meiner Schulzeit. Ich habe zum Beispiel bei einem Arbeitskreis im Landkreis Hof mitgeholfen und hier die Kommunalpolitik kennengelernt. In die Junge Union bin ich Ende 2018 eingetreten, Vorsitzender der CSU Lichtenberg bin ich jetzt seit einem Jahr.

War Ihr junges Alter im Wahlkampf eher von Vor- oder von Nachteil?

Ich habe beides erlebt. Die einen, die sagen: Toll, dass sich ein junger Mann wie Sie engagiert und frischen Wind ins Rathaus bringen will. Und die anderen, die meinen, ich wäre zu jung für dieses Amt, weil es mir an Lebenserfahrung fehlt. Es hat sich die Waage gehalten.

Wie wollen Sie die Skeptiker überzeugen?

Durch viele Gespräche und dadurch, dass ich deutlich gemacht habe, dass ich keine One-Man-Show bin. Ich habe ein super Team im Rücken, das über sehr viel Erfahrung in der Kommunalpolitik verfügt.

Wie kam es zu dem Entschluss, dass Sie für das Amt kandidieren?

Der frühere Bürgermeister Holger Knüppel (CSU), der mittlerweile leider verstorben ist, hat bereits vor einem Jahr angekündigt, dass er nicht mehr kandidieren will. Wir wussten also, dass wir für diese Wahl einen neuen Kandidaten brauchen. Es gab kein Schlüsselerlebnis. Es war ein langer Prozess, bei dem sich am Ende herauskristallisiert hat, dass ich mich aufstellen lasse.

Was wären denn die ersten Projekte, denen Sie sich als Bürgermeister widmen würden?

Lichtenberg hat die Probleme vieler ländlichen Kommunen: Die Einwohnerzahlen sinken und es hakt an der Infrastruktur. Wir haben Straßen hier, die seit 30, 40 Jahren immer noch nicht vollständig erschlossen sind. Zudem wird bei uns die Frankenwaldbrücke gebaut, die längste Hängebrücke der Welt. Dieses Projekt soll die Region touristisch aufwerten. Hier müssen wir sicherstellen, dass auch die Menschen in Lichtenberg von diesem Projekt profitieren werden. Es gibt genug zu tun.

Interview: Beatrice Oßberger

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