München – 750 Stichwahlen landesweit, in fast allen Großstädten und dazu noch in 18 Landkreisen – der Wahlsonntag gerät zur Mammutveranstaltung. Neben dem OB-Duell in München dürfte auch der Ausgang in Nürnberg landesweit beachtet werden. Hier hat die SPD gute Chancen, nach dem Rückzug des beliebten OB Ulrich Maly weiter den Rathaussessel zu besetzen, da ihrem Kandidaten Thorsten Brehm viele Stimmen aus dem Grünen-Lager im Duell gegen den CSU-Kandidaten Marcus König zufallen dürften. Umgekehrt könnte Augsburg weiter CSU-regiert bleiben, denn hier lag CSU-Kandidatin Eva Weber mit über 43 Prozent im ersten Wahlgang weit vor SPD-Herausforderer Dirk Wurm. Dafür wiederum könnte in Regensburg die SPD punkten – auch hier ist nicht ausgeschlossen, dass es für ihre Kandidatin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wegen vieler Grünen-Stimmen zum Sieg gegen die CSU-Landtagsabgeordnete Astrid Freudenstein reicht. Wer auch immer in Regensburg OB wird – er wird sich auch mit dem von Korruptionsanklagen gebeutelten Ex-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs auseinandersetzen müssen, der nun als Fraktionschef der neuen Gruppierung „Brücke“ im Stadtrat mitmischen will und eine Wahlempfehlung für Maltz-Schwarzfischer abgegeben hat.
Allein 109 Stichwahlen finden in Oberbayern statt. Dabei kommt es zu elf Duellen um Landratsposten, sieben Mal konkurrieren dabei CSU und Grüne. Die meisten Blicke dürften sich auf den Landkreis Miesbach richten, wo Oberbayerns einziger grüner Landrat, Wolfgang Rzehak, sich plötzlich in der Rolle des Außenseiters befindet – er lag im ersten Wahlgang neun Prozent hinter dem Kandidaten der CSU, Olaf von Löwis, für den nun im Schlussspurt via Wahlanzeigen Unternehmer und Bürgermeister der Freien Wähler trommelten. Auch in anderen Landrats-Stichwahlen haben die Grünen eher Außenseiterchancen, so etwa in den Landkreisen Rosenheim (CSU-Kandidat Otto Lederer gegen die Grüne Ulla Zeitlmann), München (CSU-Amtsinhaber Christoph Göbel gegen Christoph Nadler) oder Mühldorf (CSU-Neuling Maximilian Heimerl gegen Cathrin Henke). Auch in Landshut kommt es zu einem interessanten Duell: Grünen-Landeschefin Sigi Hagl ist in der Stichwahl gegen den einzigen FDP-Oberbürgermeister Bayerns, Alexander Putz, der aber im ersten Wahlgang über 20 Prozent vorne lag. In Pullach (Kreis München) will die frühere Landtagsabgeordnete Susanna Tausendfreund ihr Amt gegen eine CSU-Herausforderin verteidigen.
Während die CSU also auf mehrere Landratsposten hofft, glauben die Freien Wähler an einige Achtungserfolge. Vor allem in der Flughafenregion wird es spannend. Dort muss der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer mit nur hauchdünnem Vorsprung gegen den Freien Wähler Hans Schreiner in die Stichwahl. In Freising könnte FW-Kandidat Helmut Petz der CSU den Landsratsposten entwinden. Auch in den Landkreisen Eichstätt und Pfaffenhofen duellieren sich CSU und FW. Die SPD wiederum hofft, ihre OB-Kandidaten in einigen Kreisstädten wieder durchzubringen, so etwa in Mühldorf und Weilheim. Ein schöner Erfolg für die gebeutelten Genossen wäre es auch, wenn sie in Ingolstadt zum Zuge kämen. Hier lag ihr Kandidat Christian Scharpf in Runde 1 fast gleichauf mit Amtsinhaber Christian Lösel (CSU), dem eine Korruptionsaffäre seines Amtsvorgängers Alfred Lehmann (CSU) zusetzt.
Weil die Stichwahl diesmal nur als Briefwahl stattfindet und es keinen Straßenwahlkampf gab, sind Voraussagen über den Ausgang besonders schwer, könnten auch sicher geglaubte Mehrheitsverhältnisse noch kippen. „Wir machen kein Tippspiel“, heißt es bei den Grünen. Im Online-Wahlkampf – Instagram, WhatsApp – gelten die Grünen als besonders versiert. „Aber auch das gute alte Telefon hat eine Renaissance erlebt“, berichtet Grünen-Sprecherin Daniela Ewers.