Ein neues Leben dank 800 Bluttransfusionen

von Redaktion

Felix Brunner kämpfte sich nach einem schweren Unfall zurück – und möchte jetzt andere zum Spenden animieren

München – Wenn Felix Brunner mit seinen Monoski einen Berg herunter rast, dann spritzt der Schnee. Diese Momente bedeuten viel für ihn. Denn lange Zeit sah es so aus, als ob der 30-Jährige aus Hopferau (Landkreis Ostallgäu) das nie mehr erleben darf.

Vor elf Jahren, im Januar 2009, kam es in den Tiroler Bergen zu einem schweren Unfall. Seitdem ist Brunner querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Acht Monate lag er nach dem Unfall im Koma. Er musste viele Operationen über sich ergehen lassen – und überlebte dank 800 Bluttransfusionen. Seit 2013 engagiert er sich deshalb als Botschafter für den Blutspendendienst Bayern.

Auch in Zeiten der CoronaKrise ist es wichtig, dass weiter Blut gespendet wird. Nachdem die Zahl der Blutspenden zunächst massiv gesunken war, hat sich die Situation inzwischen wieder stabilisiert. „Aber wir brauchen kontinuierliches Engagement und auch in den nächsten Wochen weiter Spender“, betont Patric Nohe vom Blutspendendienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Denn eine Blutkonserve hält nur 42 Tage und in Bayern werden täglich 2000 Konserven benötigt. Das Virus erhöhe den Bedarf zwar nicht, erklärt Nohe: „Aber chronisch Kranke brauchen weiterhin ihre Präparate und auch Unfälle passieren weiterhin.“

Felix Brunner stürzte mit 19 Jahren bei einer Klettertour mit zwei Bergkameraden von einem verschneiten Wanderweg 30 Meter in die Tiefe. Er überschlug sich mehrfach und knallte mit voller Wucht auf ein trockenes Bachbett. „Ich hatte keine Schmerzen, weil ich so unter Adrenalin stand“, sagt er. Der Hubschrauber kam und der Notarzt erkannte die Schwere von Brunners Verletzungen. Er entschied, Felix Brunner sofort in Narkose zu legen. „Das Lletzte, was ich gesehen habe, war der Notarzt. Danach lag ich acht Monate im Koma“, erzählt der 30-Jährige. Ohne die selbstlosen Blutspender wäre Felix Brunner wohl heute nicht mehr am Leben. „Ich bin dankbar dafür“, sagt er. „Mit einer so kleinen Aktion kann jeder etwas Großes bewirken.“ Er selbst darf nicht mehr spenden: „Ich hatte zu viele Transfusionen, Krankenhauskeime und Verletzungen“, erklärt er. „Deshalb möchte ich mich als Botschafter einsetzen.“

Statistisch gesehen ist jeder dritte Mensch mindestens einmal im Leben auf eine Blutkonserve angewiesen. Das meiste Blut wird bei Krebserkrankungen eingesetzt, aber auch bei Unfällen, wie im Fall von Felix Brunner. Doch zum Beispiel in Ferienzeiten werden die Spenden oft knapp. Patric Nohe sieht mit dem demografischen Wandel ein weiteres Problem. „Momentan macht die Babyboomer-Generation den meisten Anteil an Blutspendern aus“, sagt er. „Kommen die in ein Alter, in dem sie nicht mehr spenden dürfen, wird es mit dem Bedarf eng.“ Deshalb sei es besonders wichtig, junge Leute zum Spenden zu bewegen.

Felix Brunner geht es dank der Blutspenden wieder gut. Beruflich läuft es bei ihm rund. „Ich bin selbstständiger Vortragsredner.“ Er hält Motivationsvorträge vor Schülern und Unternehmen. Auf seiner Internetseite bezeichnet sich der 30-Jährige als Mutmacher, Impulsgeber und Veränderer. „Ich kann wieder Ski fahren, mit meinem Handbike in den Bergen sein und mein Leben in vollen Zügen genießen“, sagt er. Und mit seinem Engagement will er dafür sorgen, dass es anderen Menschen, die Blut brauchen, auch so geht. LEYLA YILDIZ

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