Wegen eines kleinen Fehlers haben die Dominikanerinnen aus Bad Wörishofen im Unterallgäu seit Jahrzehnten einen riesigen Klopapier-Vorrat. Jetzt in der Corona-Krise wurde der auf einmal quasi Gold wert, weil plötzlich viele Menschen meinten, Toilettenpapier horten zu müssen. Priorin Franziska Brenner (58) berichtet, wie die Nonnen die Hamsterkäufe beobachten.
Schwester Franziska, alle Welt ist auf der Jagd nach Klopapier. Warum Sie nicht?
Wir haben davon schon seit einer halben Ewigkeit ein riesengroßes Lager. Allerdings nicht, weil wir vorausschauend gehortet hätten, um Gottes willen! Zum einen haben wir vor 15 Jahren unser klösterliches Kurheim aufgegeben, und davon sind noch immer jede Menge Rollen übrig. Wir sind ja nur zu neunt und verbrauchen nicht viel. Außerdem ist unserem Lieferanten in den 1970er-Jahren ein kleines Malheur passiert. Er hat bei einer Klopapier-Bestellung eine Null zu viel notiert. Wir haben die Lieferung damals trotzdem angenommen, weil wir dachten, wir werden es schon irgendwann aufbrauchen. Auf unserem Speicher unter dem Dach stehen immer noch zwei Paletten, die Anzahl der Rollen ist sicher vierstellig. Das Klopapier wird uns alle überleben!
Sie haben jetzt aber einen Weg gefunden, Ihre Vorräte schneller abzubauen.
Genau. Wir hamstern das Klopapier nicht – wir wollen’s loswerden. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass die Tafeln wegen der Corona-Krise Versorgungsschwierigkeiten bekommen. Die Bedürftigen haben es wegen der ausverkauften Regale ja jetzt besonders schwer, an billiges Klopapier zu kommen. Deshalb habe ich eine Ladung Klopapier zur Tafel gebracht. Auch, wenn ich mich anfangs ein wenig geniert habe.
Wieso denn das?
Na ja, das Papier ist ja schon Jahrzehnte alt und außerdem bloß zweilagig, grau und rau, so was wird heute wohl gar nicht mehr produziert. Aber es ist noch originalverpackt und es erfüllt seinen Zweck. Jedenfalls wollte ich nicht den Eindruck vermitteln, schlechte Ware für arme Menschen zu bringen. Zum Glück haben die Verantwortlichen der Tafel das auch so gesehen. Sie haben sich sehr über die Lieferung gefreut. Inzwischen habe ich ihnen schon zwei Autoladungen vorbeigebracht.
Was denken Sie über das Phänomen Hamsterkauf?
Es ist schade, wenn die Leute nur auf sich schauen, jetzt, da doch Solidarität gefragt ist. Viele andere kommen dadurch zu kurz, gerade die Schwachen. Das muss doch nicht sein, es reicht doch eigentlich für jeden.
Interview: Christopher Beschnitt