Palmsonntag ohne Prozessionen

von Redaktion

Am Sonntag feiern Katholiken den Palmsonntag: Eigentlich ist das Fest mit vielen Traditionen verbunden – doch heuer ist wegen der Corona-Krise alles anders. Die Seelsorger entwickeln kreative Lösungen.

München – In den Gottesdiensten werden die Palmbuschen gesegnet, Palmprozessionen erinnern an die biblische Geschichte, wie Jesus auf einem Esel nach Jerusalem eingezogen ist – vom Volk mit Palmzweigen bejubelt. So beginnt in Bayern am Palmsonntag eigentlich die Karwoche. Diesen Sonntag aber muss wegen der Corona-Krise alles abgesagt werden und auch die Palmbuschen werden nicht wie gewohnt geweiht.

Kardinal Reinhard Marx vom Erzbistum München und Freising sowie der Augsburger Bischof Bertram Meier zelebrieren stattdessen Gottesdienste im Münchner Liebfrauendom und in der Kapelle des Bischofshauses. Sie werden auf verschiedenen Kanälen übertragen. Und: „Wir stellen Vorlagen für einen Hausgottesdienst mit Anregungen für die Gläubigen zur Verfügung“, sagt Christoph Kappes, Pressesprecher im Erzbistum München und Freising. So kann jeder selbst den Segen erbitten.

In vielen Kirchen liegen ebenfalls Gebete aus. „Die Seelsorger vor Ort können eigene Ideen entwickeln“, betont Kappes. Viele Pfarrer feiern die Heilige Messe alleine – doch trotzdem sollen sich die Gläubigen beteiligen können. In Irschenberg (Kreis Miesbach) zum Beispiel wurden alle Gebete und der genaue Ablauf veröffentlicht, vor der Kirche St. Andreas in Eching (Kreis Freising) steht ein Kasten, in den Bitten eingeworfen werden können und in Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) wird die Messe online übertragen.

Häufig sprechen die Seelsorger zu bestimmten Zeiten ein Gebet, während die Glocken läuten. „Danach erklingt a stade Weis’, und ich werde symbolisch in alle vier Himmelsrichtungen Weihwasser sprengen“, kündigt Diakon Joachim Baumann in einem Text an, der an die Gläubigen von Reichersbeuern, Gaißach und Greiling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ging. „Machts eire Fenster auf oder sats im Garten – so beginnen wir in gebührendem Abstand und doch mitanand die Karwoche.“ Baumann hat außerdem schon ein Video gedreht und im Internet veröffentlicht.

In manchen Gemeinden können Palmbuschen auch in die Kirche gebracht oder auf die Gräber gelegt werden. Der Priester segnet sie, später können sie abgeholt werden. Wichtig dabei: „Die Vorgaben, dass es keine Versammlungen und Kontakte geben darf, müssen unbedingt umgesetzt werden“, betont Kappes. Das gelte auch für die österliche Speisenweihe eine Woche später: „Hier müssen zusätzlich auch die Hygienevorschriften eingehalten werden, zum Beispiel, dass die Speisen nicht zu lange ungekühlt sein dürfen.“

In den Pfarreien im Bistum Augsburg sind Weihen gar nicht möglich. Es gibt eine Weisung an alle Pfarreien, dass „von traditionellen Bräuchen im Zusammenhang mit dem Palmsonntag und dem Osterfest dringend abgeraten wird“. „Ein Abstellen von Buschen, Kerzen oder Speisen in der Kirche mit anschließender Selbstabholung soll auch unterbleiben, da es dadurch zu größeren Menschenaufläufen am selben Ort kommen könnte“, erklärt Sprecher Nicolas Schnall. Eine Ansteckung sei nicht ausgeschlossen.

Vor einigen Jahrhunderten hätte man auf die Corona-Krise wohl ganz anders reagiert: „Wenn es früher Epidemien wie die Pest gab, sind die Menschen eher noch mehr in die Kirche gegangen, weil sie sich bedroht gefühlt haben“, erklärt Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Die Palmbuschen sollten Schutz für Haus und Hof bieten: „Sie waren ein Mittel zur Abwehr von Unheil und Bösem und hatten eine Segenswirkung für die ganze Familie.“ Deshalb kamen die Buschen meist zum Kruzifix in den Hergottswinkel – noch heute wird das in manchen Haushalten so praktiziert. Oft wurde auch ein Palmkätzchen ins Herdfeuer geworfen: „Das sollte Unwetter, Hagel, Blitz und Feuer fernhalten“, sagt Ritter. Im Stall oder auf dem Feld sorgten die Zweige für eine gute Ernte. Sogar ins Ehebett wurde Kätzchen eingenäht. Manch einer verschluckte auch ein Kätzchen oder mischte es ins Viehfutter – der Gesundheit zuliebe.  cla/mh/ddy/sis/mel/ar

Gebetsvorlagen

Hausgottesdienst-Vorlagen und Infos zu den Gottesdienstübertragungen gibt es auf den Internetseiten des Erzbistums München-Freising und des Bistums Augsburg.

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