München – Trauerfeiern sind derzeit eine Abweichung von der Norm. „Vom Grundsatz her gibt es eine Ausgangsbeschränkung“, erklärt Jörg Freudensprung, Geschäftsführer des Bestatterverbands Bayern. „Trauerfeiern sind also eine Ausnahme.“ Eine Ausnahme, die genau reglementiert ist. Es finden gar keine Gottesdienste statt. „Die Trauerfeiern sollen so klein wie möglich abgehalten werden, mit maximal 15 Personen“, erklärt Freudensprung. Auch nicht in der Aussegnungshalle, sondern im Freien. Und: Die Angehörigen sollten eineinhalb Meter Abstand halten.
Zwar ist es nicht unüblich, dass eine Beerdigung im kleinen Kreis stattfindet, sagt Freudensprung. „Für die Bestatter ist das nichts Außergewöhnliches.“ Doch die Vorgabe, Abstand zu halten, sei tatsächlich „beklemmend und bedrückend“, betont der Bestatter weiter. „Eigentlich ist das ja eine Situation, in der man den anderen in den Arm nehmen will.“ Für die Kernfamilien, die zusammenleben, ist das Umarmen zwar erlaubt – doch zu Alleinlebenden muss Abstand gehalten werden. „Natürlich ist das eine schwierige Situation“, sagt Freudensprung. „Aber die Angehörigen halten sich an die Regeln. Jeder weiß ja, worum es geht.“
Seiner Erfahrung nach gebe es zwei verschieden Gruppen von Menschen: „Manche sagen, dann machen wir es eben im kleinsten Kreis und haben es hinter uns; andere entscheiden sich für die Urnentrauerfeier und können so langfristiger planen.“ Denn eine Erdbestattung muss in Bayern innerhalb von 96 Stunden erfolgen, Urnen dagegen dürfen aufbewahrt werden. Eine Urnentrauerfeier kann also auf später verschoben werden. „Das ist durchaus üblich, war es auch schon vor der CoronaKrise“, erklärt Freudensprung.
Franziska Lüttich dagegen plädiert für eine baldige Bestattung, auch in diesen Zeiten. Die 58-Jährige aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) ist seit zwei Jahren Trauerrednerin und hat über 75 Trauerfeiern abgehalten. „Der Gedanke, dass die Urne mit der Asche des Verstorbenen wochen- oder sogar monatelang ,auf Halde’ steht, ist für Angehörige einfach unerträglich“, sagt Lüttich. „Denn Trauer braucht einen Ort zum Trauern.“ Deshalb erweiterte sie nun ihr „normales“ Angebot: Sie bietet eine kleine Trauerfeier am Grab an und später, wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben sind, eine größere Feier. „Dann wissen die Angehörigen, dass die kleine Beisetzung im engsten Kreis noch nicht alles war“, erklärt Lüttich, die auch Trauerbegleiterin ist.
„Und für die große Feier später gibt es dann keinerlei Vorschriften mehr; sie kann etwa auch im geliebten eigenen Garten stattfinden.“ Außerdem versucht die Freie Trauerrednerin, auch die kleinen Beisetzungen so berührend und tröstend wie nur möglich zu gestalten. Zuvor gibt es ein ausführliches Gespräch per Telefon für die individuelle Rede; die Musik und kleine Rituale werden besprochen. Bei einer Feier etwa ermunterte Lüttich die Angehörigen, die Arme auszubreiten und sich geistig vorzustellen, dass sie sich an den Händen hielten. „Das war eine emotionale Nähe, die tatsächlich wie mit Händen zu greifen war.“
Es gilt eben, das Beste aus den strikten Vorgaben zu machen. „Die Pandemie verbreitet sich ja auf der ganzen Welt, alle haben dieses Problem“, betont Jörg Freudensprung. Bilder von Leichen, die in New York mit Gabelstaplern weggefahren werden, sind für ihn eine Warnung: „Wenn unsere Maßnahmen nicht eingehalten werden oder nicht funktionieren, dann könnte es auch bei uns dazu kommen, dass wir die Verstorbenen ,entsorgen’ müssen.“ Eine Horrorvorstellung für den Bestatter. Deshalb ist sein Appell: „Wir müssen eben Unnötiges vermeiden. Da müssen wir alle durch.“