„Am Ostufer leben die Kreativen“

von Redaktion

MEIN DORF Christian Kalinke, 62, ist in Berg geboren

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Christian Kalinke, Regionalleiter bei BMW, wurde vor 62 Jahren in Berg geboren und wohnt jetzt im gleichnamigen Ortsteil mit 2500 Einwohnern am Ostufer des Starnberger Sees.

Herr Kalinke: Was ist Ihr Lieblingsort in Berg?

Offen gestanden habe ich mehrere Lieblingsorte. Aber der Schlosspark ist mit Sicherheit der Favorit, denn dort hat man die Naturphänomene des Oberlandes in einem. Hier gibt es eine Steilwand, wo ich als kleiner Bub rumgeklettert bin – umgeben von einem schönen Mischwald. Und dann natürlich das Seeufer. Die Sonnenuntergänge am Ostufer sind ein Erlebnis.

Heimat in Berg ist für Sie…

… zum einen die Natur. Wir liegen fast auf 700 Meter, es gibt eine ganze Handvoll von Aussichtspunkten. Und dann sind es die Menschen, die hier leben. Man sagt, am Ostufer des Starnberger Sees leben mehr die Kreativen. Am Westufer eher die Geschäftsleute. Das ist so die Historie. Ich liebe die unglaubliche Vielfalt an Charakteren, die wir hier haben.

Und was beschäftigt Sie besonders, wenn wir über Ihr Dorf reden?

Wie man den Dorfcharakter erhalten kann. Wegen des Wohnungsmangels kommt es im Dorf zur Verdichtung. Da sind schon einige „Zombiesiedlungen“ entstanden, muss ich kritisch sagen. Es gibt Einheimische, die können es sich gar nicht mehr leisten, hier zu wohnen. Auf Dorffesten mischen sich echte Trachtler und „Faschingstrachtler“, wie man sie auch auf der Wiesn sieht. Ich will es jetzt gar nicht werten, aber der Charakter verändert sich schon.

Ist der Tourismus auch ein Problem?

Im Sommer werden wir von Tagestouristen überfallen. Dann muss man den Leuten aus dem Weg gehen.

Sie sind Initiator einer gemeinnützigen Veranstaltungsreihe: Was machen Sie da?

Vor über 18 Jahren habe ich mit „BergSpektiven“ angefangen. Ich will mit Experten und Prominenten neue Perspektiven auf Themen ermöglichen, auch mit reichlich Augenblickskomik. Als Nächstes plane ich eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Warum es sich lohnt, den Ball flacher zu halten“. Inzwischen unterstütze ich damit nicht nur ein paar Projekte hier am Ostufer, sondern auch zwei Projekte in Afrika.

Interview: Cindy Boden

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