„Es ist jede Vergleichbarkeit dahin“

von Redaktion

Mediziner-Examen verschoben: Bayerische Studenten fühlen sich benachteiligt

München – Seit Freitag herrscht Klarheit für Franziska Gschrei und die anderen bayerischen Medizinstudenten, die kurz vor dem schriftlichen Staatsexamen stehen: Die Prüfungen, die eigentlich am 15. April hätten beginnen sollen, werden wegen des Coronavirus verschoben).

„Aber eine Erleichterung ist das für uns nicht“, sagt Gschrei, die aus Tutzing (Kreis Starnberg) stammt und in Regensburg studiert. „Es ist natürlich frustrierend, wenn man Monate gelernt hat und dann nicht abliefern kann.“ Die 24-Jährige kritisiert außerdem, dass es keine bundesweit einheitliche Regelung gibt: „Nur in Bayern und Baden-Württemberg werden die Prüfungen nicht geschrieben“, erklärt sie. „Da ist jegliche Vergleichbarkeit dahin, das ist eine sehr unfaire Lösung.“

Die angehenden Ärzte in Bayern müssen die Prüfung im April 2021 nach ihrem Praktischen Jahr nachholen. Das sei zum einen eine Doppelbelastung, da im Frühjahr 2021 außerdem das mündliche Examen stattfindet, beklagt Franziska Gschrei. Zum anderen fehle es an Vorbereitungszeit – auch wenn das Praxisjahr um drei Wochen verkürzt wird. „Wir haben nur neun Wochen Zeit zum Lernen und müssen das gleiche Examen schreiben wie die Studenten, die zwei Semester später mit dem Studium angefangen haben“, beklagt Gschrei. Diese hätten mehr als 100 Lerntage, da sie erst nach dem schriftlichen Examen ins Praktische Jahr starten. „Die Noten sind sehr wichtig“, sagt die 24-Jährige. „Aber sie können eigentlich nicht verglichen werden.“

Franziska Gschrei ist jetzt damit beschäftigt, kurzfristig ihr Praxisjahr umzuorganisieren. Sie hatte vorgehabt, im Rahmen einer Kooperation zuerst für einige Zeit in der Schweiz zu arbeiten, ob das klappt, ist fraglich. Auch viele ihrer Kommilitonen wissen noch nicht, wie ihr Praktisches Jahr ablaufen wird. „Eigentlich kann man es an allen Lehrkrankenhäusern in Deutschland machen“, sagt Gschrei. Doch in Bayern und Baden-Württemberg haben sich jetzt die Zeiten für das Praktische Jahr verschoben. „Für manche ist das wirklich dramatisch, weil sie schon alles geplant hatten“, sagt sie. CLAUDIA SCHURI

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