Studieren auch am Samstag

von Redaktion

Wegen der Corona-Krise geraten die Hochschulen für angewandte Wissenschaften unter Zeitdruck. Der reguläre Semesterbeginn verschiebt sich immer weiter. In ihrer Not wollen sie auch samstags Vorlesungen anbieten – im Extremfall bis 22 Uhr.

VON DIRK WALTER

München/Rosenheim – Digitalisierung – das ist das Zauberwort in Zeiten in der Corona-Krise. Alles soll möglichst online ablaufen – auch an den Universitäten und Hochschulen. Noch ist Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) zuversichtlich, dass das kommende Sommersemester kein „Null-Semester“ – sprich ein Total-Ausfall – wird.

Erst kürzlich besuchte Sibler die Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in München, um sich über den Stand der Online-Lehre schlauzumachen. Schon am 16. März sollte hier das Sommersemester starten. Das geschah – allerdings nur online. Es gibt Lehrvideos und ein neues Lightboard-Studio, in dem Studenten ihre Dozenten mit Gesten und Körpersprache erleben können. Manche Master-Studiengänge wie Fahrzeugtechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen konnten komplett auf Online-Lehre umstellen. „Wir machen in kürzester Zeit möglich, was möglich ist“, bestätigte HAW-Präsident Martin Leitner. Sibler zeigte sich von den Bemühungen der Hochschule angetan. „Ein Lob an die HAW München für herausragende digitale Lehre“, schrieb er bei seinem Besuch der HAW an eine Tafel.

Doch dass ein rein auf Online-Übertragungen ausgerichteter Lehrbetrieb den Präsenz-Betrieb nicht zu 100 Prozent ersetzen kann, ist ein offenes Geheimnis. Die HAW hat 20 Studiengänge rein auf Online-Betrieb umgerüstet – das ist nur ein Viertel. In allen anderen Studiengängen sollen immerhin 70 Prozent der Lehre online erfolgen. In manchen Studiengängen ist das aber schwer bis gar nicht möglich, etwa bei den Designern, deren Werkstätten derzeit geschlossen sind. Auch Labore sind geschlossen.

In ihrer Not denken die Hochschul-Leitungen jetzt um. Das Semesterende für die 18 000 Studierenden wird um fünf Tage nach hinten geschoben und endet jetzt am 17. Juli, danach sind noch Prüfungen, wodurch die Notenbekanntgabe erst im Hochsommer, am 14. August, stattfinden wird. Zudem sollen Vorlesungen und Seminare auch abends und an Samstag stattfinden. Prinzipiell sei von Montag bis Samstag auch „in Randzeiten“, also ab 8 und bis 22 Uhr, Lehrbetrieb möglich, sagt HAW-Sprecherin Christina Kaufmann. Durch die Samstage gewinne man elf zusätzliche Unterrichtstage.

Auch an den Samstagen wird aber nach Lage der Dinge zunächst nur Online-Lehre möglich sein. Am Wochenende hat Minister Sibler angekündigt, dass der Start am 20. April nur digital geschehen dürfe. Das ist für die Studenten ein Problem: Online-Vorlesungen sind nur „vorbereitend und unterstützend“, wie Anton Maier, Sprecher der Technischen Hochschule Rosenheim, berichtet. Prüfungsrelevant wird Studien-Stoff erst dann, wenn der Dozent diesen in einer Präsenz-Veranstaltung aufbereitet. Wann das der Fall sein wird, weiß im Moment niemand.

Auch an der TH Rosenheim sollen sich die 6000 Studenten für das Samstags-Studium wappnen. Um ausgefallene Vorlesungen „zu kompensieren, werden im Sommersemester an allen Tagen außer an Sonn- und Feiertagen Vorlesungen stattfinden, teilweise auch noch in den Abendstunden“, warnt die Pressestelle.

Noch im Zeitplan sind die bayerischen Universitäten, deren Sommersemester ohnehin erst im April beginnt. Derzeit sieht es so aus, als ob bis zu 90 Prozent der Lehrveranstaltungen im Sommersemester stattfinden könnten. „Das ist kein Perfektionssemester“, warnte der Präsident der Uni Würzburg, Alfred Forchel, gestern bei einem Besuch Siblers. Es gibt Übertragungsprobleme bei der Online-Lehre, technische Schwierigkeiten und Hardware-Mangel. An der Bücherausleihe werde noch gearbeitet, womöglich könne Literatur auch verschickt werden. „Es wird nicht ideal sein.“

Das schwant auch Sibler. Das Sommersemester an den bayerischen Hochschulen werde wegen der Corona-Krise nicht als Semester auf die Regelstudienzeit und das Bafög angerechnet, betonte er gestern.

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