München/Röhrmoos – Anton Sedlmayr aus Röhrmoos (Kreis Dachau) hat ein Jahresabo für die S-Bahn. Doch im Moment ist er so angefressen, dass er schon die Kündigung erwägt. Trotz Corona-Krise und mannigfachen Appellen, doch immer Abstand zu den Mitmenschen zu halten, war seine S-Bahn zum wiederholten Male voll. Gestern erneut. Dabei hatte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) im Interview mit unserer Zeitung doch eben erst betont: „Bahnfahren ist sicher“.
Sedlmayr nimmt meist die S 2, die in Röhrmoos Richtung München um 5.21 Uhr eintrifft. Lieber wäre ihm schon die Bahn um 4.40 Uhr, aber die wurde gestrichen. Die S-Bahn fährt derzeit nur nach dem Samstags-Fahrplan. „Seitdem ist die S-Bahn voll“, ärgert sich Sedlmayr.
Er ist nicht der Einzige, der sich beschwert. Auch Hans Pfab aus Reichertshausen (Kreis Pfaffenhofen) kennt das Problem: „1,50 Meter Abstand – das können Sie vergessen“, sagt er über seinen Regionalzug, den er täglich kurz vor 7 Uhr Richtung München nimmt. „Vor allem Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ist es voll.“ Die Bahn habe Verstärkerzüge gestrichen – sowohl der Zug ab Reichertshausen um 6.37 Uhr als auch der Zug um 6.51 Uhr fallen weg.
Drittes Beispiel, ähnliches Bild: Andreas Maier aus Fahrenzhausen (Kreis Freising) ist Pendler mit der S 1 Richtung Innenstadt. Er steigt in Lohhof zu – derzeit aber nicht. „Ich habe mir Urlaub genommen, weil mir das zu gefährlich ist.“ Die Bahn hat Regionalzüge gestrichen, die normalerweise in Freising halten und in die dann viele Freisinger einsteigen, weil sie damit schneller in München sind. Jetzt nehmen alle die S 1, die „extrem voll“ ist, wie Maier beobachtet hat. Er frage sich, warum die S-Bahn nicht zumindest drei Züge aneinanderkoppele – sondern nur zwei.
Nachfrage im bayerischen Verkehrsministerium: „Wir erwarten, dass im gesamten Netz in den Hauptverkehrszeiten keine Kurzzüge unterwegs sind“, sagt Verkehrsministerin Kerstin Schreyer. Dass es „bei einzelnen Zügen zu Kapazitätsengpässen“ komme, streitet das Ministerium nicht ab. „Wir nehmen jeden Hinweis sehr ernst und gehen allen Fällen nach“, erklärt ein Sprecher. Zuletzt habe die S-Bahn bei der S 3 und S 4 nachjustieren müssen. Gebe es weitere Engpässe, werde „schnellstmöglich“ nachgebessert. Die S-Bahn versicherte gestern: „Wir haben den genannten Zug der S 2 im Blick und werden ihn so bald als möglich aufstocken.“