„Das Ei ist ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol“

von Redaktion

INTERVIEW Ruth Huber erklärt die Geschichte alter Bräuche und Traditionen rund ums Osterfest

Die Osterfeiertage stehen an – und werden dieses Jahr wohl etwas anders ablaufen. Ruth Huber, die Hauptabteilungsleiterin „Generationen und Lebensalter“ im Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising, berichtet über alte Bräuche und Traditionen – und verrät, wie man sie auch zu Corona-Zeiten weiterführen kann.

Frau Huber, sind die Osterfeiertage eigentlich wichtiger als Weihnachten?

Ja, natürlich. Es ist der Ausgangspunkt unseres Glaubens, ohne Ostern kein Weihnachten. Wäre Jesus nicht auferstanden, würden wir nicht über seine Geburt nachdenken.

Fangen wir beim Gründonnerstag an: Woher kommt der Name?

Man nimmt an, dass es von „greinen“ kommt, also weinen, wegen dem Leiden Jesu am Ölberg. Am Gründonnerstag läuten zum letzten Mal die Glocken, danach erklingen sie erst wieder in der Osternacht.

Welche Traditionen ranken sich um den Karfreitag?

Der Karfreitag ist ein sehr stiller Tag, da gab es auch schon ohne Ausgangsbeschränkungen ein Tanzverbot. In manchen Gegenden hörte man aber vor den Gottesdiensten ein hölzernes Klappern: Junge Ministranten luden mit den Ratschen zum Gottesdienst ein. Dieses Jahr wird man das aber nicht hören, weil gar keine Gottesdienste stattfinden. Mancherorts wird an dem Tag auch Wasser geschöpft, weil man dem Karfreitagswasser besondere Heilkräfte zugeschrieben hat, vermutlich ein uralter heidnischer Brauch. Das Christentum hat es ja verstanden, alte Bräuche in die Liturgie miteinzubauen.

Was könnte man in diesem besonderen Jahr am Karfreitag zu Hause machen?

Jetzt ist es natürlich schwierig, in dieser stillen Zeit noch mehr Stille zu halten. Kindern kann man aber den Tag erklären: Dass die Christen daran denken, dass Jesus gekreuzigt wurde. Man kann mit ihnen die Geschichte lesen und dann darüber reden: Was bedeutet es denn für Jesus, dass er verraten wird, dass er alleine gelassen wird? Auch Kinder erleben, dass sie verraten oder stehen gelassen werden.

Welche Bräuche gibt es am freudigen Ostersonntag?

Der beginnt normalerweise mit dem Osterfeuer. Das wird natürlich auch ausfallen, wie so viele Bräuche dieses Jahr. Das schmerzt uns alle wirklich sehr.

Zumindest können die Familien zu Hause feiern.

Ja, beim Ostereierverstecken und -suchen kann man viel Freude haben. Auch in der Vorbereitung: Man kann Ostereier ausblasen, schön bemalen, sie an grüne Zweige hängen. Eigentlich beginnt die Osterzeit ja erst am Ostersonntag, doch in dieser Zeit ist es ja verständlich, dass man etwas Schönes zu Hause haben will. Man kann also mit den Kindern in der Karwoche jeden Tag etwas basteln und an den Osterstrauch hängen.

Am Ostersonntag fällt natürlich auch der Gottesdienst aus…

Ja, aber man kann auch die Auferstehungstexte gemeinsam zu Hause lesen. Dann begeht man das feierliche Osterfrühstück miteinander – natürlich mit dem „Eierbecken“. Auch das Ei ist ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol, das das Christentum adaptiert hat: Aus dem Ei heraus entsteht neues Leben, so wie Christus auferstanden ist, um uns neues Leben zu schenken.

Hat auch der Osterhase eine christliche Bedeutung?

Er ist schon relativ früh von den alten Kirchenvätern erwähnt worden. Er war Begleiter von heidnischen Göttinnen, dann wurde er umgedeutet: Der Hase als Bild für den ängstlichen, flüchtigen Menschen, und Gott rettet uns aus der Angst.

Und am Ostermontag gibt es dann gar nichts mehr zu tun?

Doch, doch, da gibt es den Emmausgang. Zwei Jünger waren unterwegs, Jesus trat zu ihnen und wurde lange nicht erkannt. Spazieren gehen darf man ja, und dabei kann man sich überlegen, ob man nicht auch was entdeckt: Dass durch diese schwere Zeit jemand mit einem geht. Entweder in Wirklichkeit – oder in Gedanken. Und dann ist es auch ein echter Osterspaziergang.

Interview: Nina Praun

Tipps für die Osterzeit

Auf der Homepage der Erzdiözese München und Freising www.erzbistum-muenchen.de gibt es Tipps und Angebote für zu Hause.

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