Die Zukunftssorgen der Volkshochschulen

von Redaktion

Das Coronavirus hat auch die Volkshochschulen in Bayern lahmgelegt. Sie sind kreativ geworden, um einige Angebote aufrechterhalten zu können. Trotzdem drohen Verluste in Millionenhöhe.

VON KATRIN WOITSCH

München – Die letzte große Herausforderung liegt noch nicht lange zurück. Das war 2015, als viele tausend Flüchtlinge nach Bayern kamen und die Volkshochschulen so schnell wie möglich hunderte Integrations- und Sprachkurse auf die Beine stellen mussten. Doch dieses Mal geht es um das komplette Angebot – und um alle Teilnehmer und Dozenten. „Die meisten unserer Mitarbeiter arbeiten gerade aus dem Homeoffice“, berichtet Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volksschulverbands. „Und sie rotieren.“ Weil sie jeden Tag hunderte Teilnehmer-Fragen beantworten und ein komplettes Alternativangebot ausarbeiten müssen. „Die Volkshochschulen haben leider ein etwas behäbiges Image“, sagt Sgodda. „Dabei zeigen wir grade erneut, wie schnell wir auf eine völlig veränderte Situation reagieren können.“

Wie sie und ihr Mit-Vorstand Christian Hörmann berichten, sind nicht alle Volkshochschulen in Bayern digital bereits so gut aufgestellt, dass sie von heute auf morgen Online-Kurse anbieten konnten. Deshalb hat der bayerische Landesverband „vhs daheim“ eingerichtet. Vormittags und abends finden dort Fitnesskurse, Online-Kurse, Gesprächsrunden oder Vorträge in Live-Stream statt, die alle Schulen für ihre Teilnehmer kostenlos anbieten können. Alle regulären Kurse sind aktuell ausgesetzt, berichtet Sgodda. „Wir versuchen, Ersatztermine anzubieten. Allerdings ist die Perspektive gerade so unsicher, dass wir nicht wissen, wann es wie weitergeht.“ Einige Kurse, zum Beispiel im Gesundheitsbereich, mussten abgebrochen werden. In diesen Fällen erhalten die Teilnehmer ihre Kursbeiträge zurück. Das Verständnis sei groß, berichten Sgodda und Hörmann. „Die meisten unserer Teilnehmer sind Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen, die dankbar über eine klare Regelung sind.“

Was sie nicht erwartet hatte: Viele Teilnehmer machen sich aktuell nicht nur Sorgen darüber, wie es mit ihren Kursen weitergeht – sondern auch um die Situation der Dozenten. „Von den etwa 30 000 vhs-Dozenten in Bayern bestreitet ein Drittel seinen Lebensunterhalt von den Honoraren“, berichtet Sgodda. „Wir überlegen seit der ersten Minute, wie wir sie unterstützen können.“ Allerdings sind den Volkshochschulen rechtlich die Hände gebunden. Weil sie öffentlich gefördert werden, dürfen sie kein Geld verschenken, also keine Ausfallhonorare zahlen. „Wir sind bereits in Gesprächen mit den kommunalen Spitzenverbänden, damit es auch für die Solo-Selbstständigen Hilfspakete gibt.“

Doch auch die Volkshochschulen selbst sind auf staatliche Hilfe angewiesen. „Selbst wenn wir die entfallenen Honorare abziehen, rechnen wir für das Semester März bis Juli mit einem Verlust von 23,5 Millionen Euro“, sagt Sgodda. Gestern hat das Kabinett entschieden, dass alle gemeinnützigen Einrichtungen und damit auch die Volkshochschulen Soforthilfe beantragen können – was die einzelnen Einrichtungen auch tun werden, kündigt Sgodda an. Viele Zukunftssorgen bleiben trotzdem. Denn die Corona-Krise werde wohl noch lange Nachwirkungen für das vhs-Programm haben. „Wenn die Anordnungen aufgehoben werden, wird es nicht im Normalbetrieb weiterlaufen. Das Virus ist dann ja nicht verschwunden.“ Vielen Teilnehmern werde künftig wohl das Geld für die Kurse fehlen, auch viele Seminarräume wären mit bestimmten Auflagen wie Mindestabstand erst mal nicht mehr nutzbar.

Allerdings sieht Sgodda in der Krise auch eine Chance. „Unsere Programme sind jetzt und künftig vielleicht wichtiger denn je“, sagt sie. Die Volkshochschulen werden den digitalen Wandel der Arbeitswelt mit ihrem Angebot begleiten. Außerdem sei einer der Hauptaufgaben für die vhs, politische Entscheidungen greifbar zu machen. „Wir müssen Orientierung bieten in einer Zeit, in der Faktenwissen und Urteilsvermögen wichtiger sind denn je.“ Auch fachsprachliche Prüfungen werden künftig noch wichtiger, glaubt sie. Zum Beispiel im Pflegebereich.

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