München – Die wenige Zeit, die jetzt zum Radlfahren bleibt, nutzten am Montag zwei Schwestern aus dem Werdenfelser Land. Es war 15.30 Uhr, sie befanden sich gerade zwischen Barmsee und Bärnbichl, da erhellte etwas Gleißendes den tiefblauen Himmel. „Etwa so groß wie ein Handball, es glühte leicht bläulich und kam an einer Wiese nahe der B 2 runter“, erinnern sich die beiden. „Es muss aufgeschlagen sein.“ Doch eine Suche blieb vergebens.
Das, was sie da sahen, dürfte jener Meteor gewesen sein, der um 15.33 Uhr bei wolkenlosen Himmel von Westen nach Osten über die Alpen gezogen war (wir berichteten). Zunächst hatte es Sichtungen der Feuerkugel von Ellmau am Wilden Kaiser bis zum Mondsee im Salzkammergut gegeben, Gestern aber meldeten sich mehr und mehr Zeugen: Sie schickten Berichte und Filme aus dem Oberallgäu, aus Südtirol, sogar aus Slowenien.
Patrick Möhrlein filmte den Meteoriten mit seiner im Auto installierten Dash-Cam, als er bei Ingolstadt auf die Autobahn 9 auffuhr. „Es leuchtete grell weiß, etwa drei bis vier Sekunden lang“, berichtete er unserer Zeitung. Möhrlein, stellvertretender Feuerwehrkommandant in Schwaben, informierte die Polizei. Er vermutete einen Aufschlag des unbekannten Flugobjekts in Ingolstadt – aber die Polizei suchte vergebens. Wo der Besucher aus dem All letztlich eintrat und wo möglicherweise Fragmente von ihm als Meteoriten einschlugen, darüber konnte gestern niemand Auskunft geben. Der Grund: Es passierte bei Sonnenschein. „In Nacht haben wir die Sterne als Fixpunkte und können so schnell die Koordinaten bestimmen“, erklärt Dieter Heinlein aus Augsburg. Er leitet das Feuerkugelnetzwerk des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ohne Sterne müssen die Experten nun auf Berichte von Augenzeugen zur Abschätzung der Flugbahn vertrauen. Ein möglicher Aufschlagspunkt könnte zudem in einem Durchmesser von einem Dutzend Kilometer liegen. Momentan gehen Forscher davon aus, dass dieser am Attersee (Oberösterreich) liegt – falls der Meteor sich bei seiner kurzen Reise durch die Erdatmosphäre nicht vollständig aufgelöst hat.
Solche Himmelskörper sind nicht so selten, die meisten verglühen aber vollständig. Selbst wenn sie es schaffen – was nur alle paar Jahre vorkommt – bleiben nur kleine Stücke aus Metallen oder Gesteinen übrig.
Beim letzten großen Sturz auf Bayern, der sich am 6. April 2002 ereignete und damit genau 18 Jahre her ist, fanden sich drei Fragmente des Meteoriten Neuschwanstein. Sie wogen zusammen sechs Kilo.