Das mysteriöse Sterben der Blaumeisen

von Redaktion

Derzeit fallen Naturschützern vermehrt schwer kranke Blaumeisen auf. Droht nun ein mysteriöses Vogelsterben? Bisher sind es nur Einzelfälle, beruhigt ein LBV-Experte – und mit der Corona-Krise hat die Vogelkrankheit nur sehr indirekt zu tun.

VON NINA PRAUN

Hilpoltstein – Es ist ein bemitleidenswerter Anblick: Die kleine Blaumeise wirkt apathisch, ist unnatürlich aufgeplustert, hat verklebte Äuglein. Diese Meise war schwer krank und ist gestorben, ein Fotograf hat den Fall dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeldet. Ähnliches haben andere Vogelbeobachter festgestellt. Seit eineinhalb Wochen gibt es vermehrt Meldungen zu schwer kranken Singvögeln.

Deshalb werden die Verantwortlichen nun stutzig. „In Teilen Deutschlands waren es circa 150 gemeldete Vögel“, berichtet Norbert Schäffer, Chef des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Das ist nicht viel“, beruhigt er, „trotzdem wird untersucht, ob es ein Muster ergeben könnte.“ Noch sind es Einzelfälle, betont Schäffer, und, das ist ihm wichtig: „Diese Krankheit hat überhaupt nichts mit Corona zu tun.“

Indirekt aber könnten die Fallmeldungen mit dem derzeitigen Ausnahmezustand in Verbindung stehen. Durch die Ausgangsbeschränkungen sitzen die Menschen zu Hause, beobachten den Garten und die Tiere – und entdecken deshalb auch mal kranke Vögel, die ihnen ansonsten nicht auffallen würden, vermutet Schäffer. „Das ist aber nur meine Spekulation.“

Denn an sich sind kranke Tiere etwas ganz Normales, erklärt der Experte. „Jede Tierart wird krank, auch die Vögel.“ Nur: In der Regel überleben die kranken Tiere in der Natur nicht lange, denn sobald sie geschwächt sind, werden sie gefressen. „Erkrankt sind die Tiere eben sehr leichte Beute“, sagt Schäffer.

Die Blaumeisen werden etwa von Mardern oder Hauskatzen gefressen. Um die wiederum muss man sich keine Sorgen machen, denn: „In der Regel sind die Krankheiten artspezifisch, die Raubtiere stecken sich also nicht bei ihrer Beute an.“ Um herauszufinden, an welcher Krankheit die Vögel denn nun leiden, brauchen die Experten mehr Daten. Deshalb bittet der LBV, dass Gartenbesitzer kranke oder tote Singvögel melden. Anzeichen sind: Die Tierchen sitzen apathisch und aufgeplustert auf dem Boden, Augen und Schnabel sind verklebt und sie fliehen nicht vor den Menschen. Man kann das kranke Tier dann an einen geschützten Platz bringen, wo die Katze nicht hinkommt. Wer eine Futterstelle hat, sollte diese einstellen, denn an solchen Sammelplätzen stecken sich die Tiere gegenseitig an. Und dann, so Schäffer, heißt es: „Den Vogel in Ruhe sterben lassen.“

MELDUNGEN

und Fotos von kranken oder toten Vögeln nimmt der NABU in Internet unter www.NABU.de/meisensterben entgegen.

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