Schulen rechnen mit Stufenplan

von Redaktion

Noch hält das Kultusministerium offiziell an der Linie fest, dass am 20. April alle Schulen wieder öffnen. Dass es wirklich so kommt – daran glaubt allerdings niemand mehr.

VON DIRK WALTER

München/Bruckmühl – Wie geht es weiter mit den Schulen? Erst nach Ostern wird man mehr wissen. Am Dienstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Corona-Krise berichten, danach beraten die Ministerpräsidenten und die Kultusminister. Bis dahin herrscht Stillschweigen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo hat schon bekannt gemacht, dass er sich einen „Stufenplan“ vorstellen könne – mehr gebe es jetzt nicht zu sagen, erklärt ein Sprecher.

Dabei warten die Schulen, Eltern und Schüler dringend auf ein Signal. Vorerst macht sich jeder eigene Pläne. Für die Realschulen könne er sich einen „Stufenplan“ vorstellen, nach dem zuerst die Abschlussschüler der 10. Klassen beginnen – vielleicht ab dem 27. April, sagt der Vorsitzender des Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. Für Michael Schwägerl vom Bayerischen Philologenverband ist eine komplete Öffnung der Schulen am 20. April „nicht vorstellbar“, eine stufenweise Öffnung mit zeitlichem Vorlauf und gründlicher Planung hingegen schon.

Sachsen hat am Donnerstag verkündet, dass es die Schulen für die Abschlussklassen – und nur für diese – wieder öffnen wird. So ein Modell hält Walter Baier, Chef der Bayerischen Direktorenvereinigung, auch in Bayern für denkbar. Er hat für sein Gymnasium in Bruckmühl (Kreis Rosenheim) schon einen Plan ausgearbeitet. 84 Schüler gibt es in der 12. Jahrgangsstufe. „Für sie könnte die Schulöffnung ab 20. April funktionieren“, sagt Baier. Kurse könnten geteilt werden, abhängig von der Größe der Klassenräume sollten zehn bis höchstens zwölf Schüler in einem Raum sitzen. Das ginge, „unser Haus ist ja leer“. Notwendig sei allerdings ein Mund-Nasen-Schutz – Lehrer sollten die Masken am Eingang verteilen. „Noch haben wir sie aber nicht.“ Auch Baiers Kollege Heinz-Peter Meidinger aus Deggendorf hält Abiturprüfungen ab 20. Mai – derzeit der offizielle Termin – für durchführbar sofern die Infektionszahlen das erlaubten. Die Schüler in Hessen und Rheinland-Pfalz hätten ihr Abitur schon geschrieben, Bayern könne nicht endlos warten.

Noch keine Signale gibt es für die Grundschulen. Zwar hat der Deutsche Städtetagspräsident, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), eine Öffnung von Grundschulen und Kitas ins Gespräch gebracht, doch gilt es als unwahrscheinlich. Die Zeit drängt aber auch hier: Ein Drittel der Schüler habe sich in der Zeit der Schulschließungen weniger als 15 Stunden in der Woche mit Schule beschäftigt, hat das Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug im „Schul-Barometer“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz festgestellt. „Diese Gruppe macht uns Sorgen“, sagte Studienleiter Prof. Stephan Huber.

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