München – Auf dem Hof von Anton Stürzer wird heute Mais angebaut – auch wenn der Landwirt aus Höhenkirchen (Kreis München) nicht sicher ist, ob die Saat überhaupt aufgeht. „Die Trockenheit ist einfach enorm“, sagt er. Der 56-Jährige betreibt Ackerbau und Forstwirtschaft. „Besonders gefährdet ist der Wald“, erklärt er. „Er bräuchte eigentlich im Frühling besonders viel Wasser.“ Das sei auch um den Borkenkäfer einzudämmen wichtig.
Der Waldreferent des Bayerischen Bauernverbands, Johann Koch, schlägt außerdem Alarm, dass die Dürre den Jungpflanzen schade. „Die Wurzeln trocknen aus, die Vitalität der Jungpflanzen ist beeinträchtigt. Das führt bis zum Absterben“, erklärt er. Sorgen macht den Landwirten zudem das Getreide. Bereits jetzt sei zu beobachten, dass das Wintergetreide nicht so gut wachse, sagt Stürzer. „Es ist viel kleiner als normal.“ Seine Befürchtung: „Wenn der Mai weiter so trocken ist, gibt es starke Ernteausfälle.“
Dass es in den letzten Wochen sehr wenig geregnet hat, zeigen auch die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. „Aktuell sind wir deutlich unter dem normalen Niederschlagssoll“, sagt Guido Wolz vom DWD. Das langjährige Mittel liegt im April bei etwa 70 Liter je Quadratmeter. „Bis jetzt haben wir gerade einmal vier Prozent erreicht“, erklärt er.
Besonders schlimm sei es in Franken, aber auch in Teilen Niederbayerns. Abgesehen von kleinen Unterbrechungen sei es heuer aber seit Mitte März im gesamten Freistaat fast durchgehend trocken. „Vereinzelt hat eine Kaltfront von Ostermontag bis Dienstag ein bisschen Niederschlag gebracht und punktuell trat zu den Alpen hin auch Starkregen infolge von Schauern und Gewittern auf“, berichtet Wolz. Am Wochenende solle zudem von Südwesten feuchte Luft nach Bayern kommen. „Mit Schauern ist zu rechnen“, sagt er. Doch: „Schon kommende Woche gibt es wieder Hochdruckeinfluss mit viel Sonnenschein und es bleibt länger trocken“, erklärt Wolz.
Diese Trockenheit wirkt sich auch auf das Grundwasser aus. 55 Prozent der Grundwassermessstellen und Quellen des oberen Grundwasserstockwerks in Bayern zeigen aktuell niedrige Messwerte. Das ist eine Tendenz: „Aufgrund der in den vergangenen Jahren insgesamt zu geringen Niederschläge weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein Defizit von 15 Prozent auf“, sagt eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Auch der Pegelstand an den Flüssen sinkt – hier werden quer durch den Freistaat für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrige Abflüsse registriert.
In Bayern herrscht außerdem Waldbrandgefahr. Jeden Nachmittag finden Beobachtungsflüge statt. An Bord sind ein ehrenamtlicher Pilot der Flugbereitschaft Oberbayern sowie ein Luftbeobachter. „Natürlich wegen Corona mit ausreichendem Abstand“, betont Flugbereitschaftsleiter Jürgen Wehrens. Die Flugbereitschaft hat sieben Stützpunkte, 102 Piloten, 38 Luftbeobachter, 46 Kleinflugzeuge und einen kleinen Hubschrauber. „Am höchsten ist die Gefahr gerade auf der Südseite der Berge“, erklärt Wehrens. Zusätzlich zu dem ausgetrockneten Boden würden dürre Blätter und Nadeln von vergangenem Jahr das Brandrisiko im Frühjahr erhöhen. „Die zweite riskante Phase ist im Sommer, wenn es lange warm ist“, sagt Wehrens. Er betont: „Wir sind gut vorbereitet.“
Derweil hofft Landwirt Anton Stürzer weiter auf Regen: „Abgerechnet wird am Schluss, noch ist nicht alles verloren“, sagt er. Wenn es zwei Mal in der Woche nachts regnen würde, wäre es ein Wetter, mit dem jeder gut leben könnte.“