Vorsichtiger Neustart an den Schulen

von Redaktion

Vorsichtiger Neustart: Am 27. April sollen die Schüler der Abschlussklassen wieder in die Klassenzimmer einrücken. Für alle anderen Schüler geht die Ungewissheit weiter – der genannte Starttermin 11. Mai wackelt noch.

VON DIRK WALTER

München – „Es ist die richtige Entscheidung“, sagt Heinz-Peter Meidinger. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands und Chef eines Deggendorfer Gymnasiums findet es gut, dass es endlich wieder losgehen kann in seiner Schule. Am 27. April, nicht wie zunächst genannt erst am 11. Mai, können die Schüler des Abiturjahrgangs wieder in die Schule gehen. Und am 20. Mai beginnt schon das schriftliche Abitur im Fach Deutsch. Auch an Realschulen (10. Klasse), Mittelschulen (9. und 10. Klassen) sowie an den FOS/BOS, Wirtschaftsschulen und an den Meisterklassen der Berufsschulen dürfen die Schüler übernächsten Montag wieder kommen – insgesamt sind das 14 Prozent der Schülerschaft in Bayern.

Es wird ein Schulstart unter unter erschwerten Bedingungen, die Kultusminister Michael Piazolo (siehe Interview unten) in einer Pressekonferenz am Donnerstag stichpunktartig nannte: Klassengröße höchstens zehn bis 15 Schüler; eine besondere Sitzordnung mit auseinandergerückten Tischen, vier Quadratmeter Platz je Schüler; keine Gruppenarbeit; eventuell Schichtbetrieb mit versetztem Unterrichtsbeginn; keine Schutzmasken-Pflicht, aber Sonderregeln im Schulhaus mit einer Pause im Klassenzimmer; kein Mensa-Betrieb oder Pausenverkauf sowie Toilettengang nur einzeln.

„Wir kriegen das hin“, ist auch Tobias Schreiner überzeugt. Der Schulleiter der Realschule in Gmund am Tegernsee erwartet rund 110 Schüler, die am 1. Juli mit den schriftlichen Prüfungen für ihre Mittlere Reife starten sollen. Dieser Termin wurde um 14 Tage nach hinten geschoben, aber auch jetzt ist es sportlich. „Wir werden den Fokus auf Prüfungsfächer legen“, sagt Schreiner. Die Klassen würden wohl halbiert oder gedrittelt, die Lehrer wechselten dann hin und her. Auch die Hygiene-Auflagen werde man verinnerlichen, ist Schreiner überzeugt. „Wir werden sicher vorher einen Elternbrief rausschicken und die Schüler in einer Online-Konferenz briefen – eventuell stellen wir es auch auf Youtube.“

Abschlussklassen sind das eine. Aber wie geht es dann weiter? Dass die Schüler der Anschlussklassen – beim Gymnasium also die Elftklässler – am 11. Mai folgen werden, darauf wollte sich Piazolo ausdrücklich nicht festlegen. Es könne „eine zweite Tranche“ folgen, aber es sei „verfrüht, Versprechungen zu machen“, sagte er. Rainer Dlugosch vom Gymnasium Miesbach hat da viele Fragen. „Es ist nichts klar“, klagt der Schulleiter. Die Q11 habe bislang im zweiten Halbjahr kaum Noten geschrieben. „Hier so lange zu warten, halte ich für sehr, sehr fraglich.“ Das Kultusministerium müsse sagen, wie die Schulen damit umgehen sollten. Auch beim Abiturjahrgang Q12 ist noch nicht alles geklärt: Als die Gymnasien Mitte März (einzelne noch früher) schlossen, waren nicht alle Pflicht-Klausuren geschrieben. Einige Schüler haben wegen Krankheit viel versäumt. „Bei mir ist ein Abiturient, der acht Klausuren nachschreiben müsste“, berichtet Walter Baier, Leiter des Gymnasiums Bruckmühl (Kreis Rosenheim). Er will eine Sonderregel, „um dem Schüler entgegen zu kommen“.

Noch ganz unklar ist die Lage bei den Grundschulen. Eventuell starten am 11. Mai die Viertklässler – aber der Kultusminister stellt das ausdrücklich unter Vorbehalt. Simone Fleischmann vom Lehrerverband BLLV mahnt, ältere Lehrer als potenzielle Risikogruppe in den Blick zu nehmen – ebenso wie einzelne Schüler etwa mit Asthma. Schulen benötigen „klare Regelungen, wie der Gesundheitsschutz gerade für diese Gruppen sichergestellt wird.“ Ob das Kultusministerium aber jeden Lehrer ab 60 einfach freistellt, ist unklar – schließlich würde das geschätzt jede vierte bis fünfte Lehrkraft betreffen.

Fleischmann stellt noch etwas klar: Für die Grundschüler sei auch „ein eindeutiger Verhaltenskodex“ zur Hygiene notwendig, der mit jedem Schüler einzeln altersgerecht eingeübt werden müsse. „Elementare Dinge“ wie Waschbecken, Seife und Desinfektionsmittel seien keine Selbstverständlichkeit, sagt auch Schulleiter Baier. Die Hygieneregeln müssten klar definiert sein.

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