von Redaktion

Riedelsbach – In zwei Monaten wird der kleine Felix zwei. Er lebt in einem grünen Paradies im Bayerischen Wald, auf Gut Riedelsbach, zu dem ein Hotel gehört – und zwar mit zwei Papas. Ewald und Bernhard Sitter sind eines der ersten gleichgeschlechtlichen Ehepaare in Bayern, das ein Kind adoptiert hat.

Seit 2012 sind Ewald und Bernhard Sitter ein Liebespaar. „Schon beim ersten Date hatten wir ausgemacht, dass wir Kinder wollen“, erinnert sich der 31-jährige Bernhard Sitter. „Wir stammen beide aus großen Familien und wollten selbst auch eine Familie haben.“ Drei Jahre später gingen die beiden Niederbayern eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. „Ein ehemaliger Geistlicher hat für uns eine Trauung zelebriert“, erzählt Sitter. Danach gab es ein großes Fest mit 300 Gästen. „Es war wunderbar.“

Die gemeinsame Adoption eines Kindes war mit der „Homo-Ehe“ aber immer noch nicht möglich. 2017 ebnete der Bundestag schließlich den Weg für die volle Gleichberechtigung – die Ehe für alle wurde beschlossen, damit können gleichgeschlechtliche Paare richtig heiraten – mit allen Pflichten und Rechten, wie der Adoption eines Kindes.

Bernhard und Ewald Sitter, die mit ihrer Familie das Bier- und Wohlfühlhotel Gut Riedelsbach betreiben, bewarben sich beim Landratsamt für die Adoption, sie hatten beste Noten dafür, aber angesichts der langen Warteliste und als männliches Ehepaar machte man ihnen wenig Hoffnung. Irgendwann telefonierte Bernhard Sitter einen Tag lang sämtliche Jugendämter Deutschlands ab. „Viele sagten sofort ab, manche verwiesen auf die Warteliste.“

Auch in Thüringen war das so. Von da kam im Herbst 2018 aber der Anruf, dass Felix als mögliches Adoptivkind auf sie warten würde. Manchmal wird nicht nach Wartezeit entschieden, sondern danach, welches Paar am besten passt. Bernhard und Ewald Sitter fuhren hin. Als sie Felix sahen, schlossen sie ihn sofort ins Herz. Sechs Tage sollten sie bleiben, Felix kennenlernen, immer in Begleitung des Jugendamtes. Schon zwei Tage früher durfte im November 2018 Felix mit auf die Fahrt zu seiner neuen Familie nach Riedelsbach. „Die Mutter, die noch sehr jung war, als sie Felix bekommen hatte, hat uns ausgewählt“, erzählt Bernhard Sitter. „Sie wollte, dass Felix mit zwei Vätern aufwächst.“ DORIS LÖW

JOHANNES WELTE

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