18.30 Uhr, Donnerstagabend. Vier Personen stehen verstreut auf dem Anzinger Rathausplatz. Der Mindestabstand wird vorbildlich eingehalten. Sie blicken gespannt auf eine kleine, dunkelgrüne Holzhütte, die aus einem Gasthof herausragt. Ein großes Schild erklärt die Ansammlung im Zentrum der Gemeinde. „Wirtshaus Drive In“ steht darauf geschrieben.
Wie man es sonst vor allem von Fast-Food-Ketten kennt, bekommt man hier im Landkreis Ebersberg durch ein Fenster sein Essen überreicht. Bedient werden aber nicht nur Autofahrer, wie Inhaberin Barbara Stadler erklärt. Viele Anzinger würden die Möglichkeit nutzen, um an der frischen Luft spazieren zu gehen. Wie alle anderen Gastronomiebetriebe musste auch der „Kirchenwirt“ seine Türen schließen. Stadler war auf diesen Fall vorbereitet. „Das Konzept hatten wir uns schon überlegt, lange bevor Markus Söder den Katastrophenfall ausgerufen hat“, erzählt sie.
Auf der Seite www.zum-kirchenwirt.de können die Kunden ihr präferiertes Gericht – von verschiedenen Suppen bis hin zum Schnitzel oder Schweinebraten – auswählen. Bei der telefonischen Bestellung erhält man eine genaue Uhrzeit, zu der das Essen abgeholt werden kann. So soll vermieden werden, dass sich zu viele Menschen gleichzeitig vor dem Gebäude aufhalten. Das Feedback falle durchweg positiv aus, sagt Stadler. Einige kämen sogar extra von außerhalb. „Da wir die Ersten waren, sind wir bekannt geworden. Viele haben uns im TV gesehen oder im Radio gehört und wollen sich das anschauen.“ JULIAN NETT