Fensterln beim Fichter

von Redaktion

Gastronom aus Wasserburg hat die Straße für sich entdeckt

Wirt Peter Fichter aus Wasserburg im Landkreis Rosenheim fensterlt derzeit mit Leidenschaft – und macht daraus kein Geheimnis: Denn das Fenster ist zum wichtigsten Platz des Stechl-Kellers geworden. Hier reicht Fichter jeden Mittag den brav mit Abstand wartenden Kunden ihr Essen heraus. Am Fenster gibt es dabei nicht nur was Warmes, sondern auch einen kleinen Plausch. Denn das sind die Stammkunden gewöhnt. Ihr Wirt auch: Er würde sich am liebsten ein Kissen auf die Fensterbank legen, nur für lange Gespräche hat Fichter derzeit keine Zeit.

Das Geschäft läuft gut – so gut, dass er sagen kann: „Wir werden die Corona-Krise überstehen.“ Bis zu 150 Essen am Tag liefert der 57-Jährige aus, am Fenster oder direkt an die Haustüre. Es gibt eine verkleinerte Speisekarte mit den Lieblingsgerichten seiner Kunden, etwa der Currywurst mit teuflisch scharfer Soße oder dem veganen Burger.

Fichters Karriere vom Wirt zum Essenslieferant begann schon Tage vor den Gastronomieschließungen. Er hat früh die Gefahr erkannt, stellte die Karte um, kaufte Menüschalen (die kompostierbaren sind zu seinem Bedauern ausverkauft), stattete seine Fahrer mit Pizzabotentaschen aus, investierte in kontaktlose Bezahlsysteme. Der personelle Aufwand ist höher als vorher: Pro Essen sind sieben Mitarbeiter beschäftigt – Bestellung aufnehmen, kochen, einpacken, ausfahren, abrechnen. Finanziell geht dies nur, weil auch Fichter Soforthilfen vom Staat bekam und der Hauseigner in der Krise auf die Pacht verzichtet. Und weil die Wasserburger gerne fensterln. HEIKE DUCZEK

Artikel 1 von 11