München – Das Pulver sieht ein bisschen aus wie brauner Kaffeesatz. Wenn Franz Knierer, Förster im Landkreis Dachau, in diesen Tagen im Wald unterwegs ist, passt er besonders auf, ob er es bei einem Baumstamm entdeckt. Auch auf Harzperlen und Spechtabfälle gibt er Acht. Denn das alles sind Anzeichen dafür, dass sich der Borkenkäfer eingenistet hat. Das bedeutet: „Der Baum ist verloren und muss schnell entfernt werden“, sagt Knierer.
Ab sofort ist es wieder so weit. „Der Käfer steht in den Startlöchern“, erklärt er. Heuer sei seine Ausgangsposition besonders gut: „Letztes Jahr konnte er sich stark vermehren“, berichtet der Förster. Hinzu käme, dass durch die Stürme viele Bäume beschädigt worden seien. Das Schadholz sei zwar gut aufgearbeitet worden. „Aber der Borkenkäfer erkennt geschwächte Bäume“, sagt er. „Er sendet Duftstoffe aus, um weitere Käfer anzulocken.“ So befallen immer mehr Käfer zunächst den geschwächten Baum und dann auch die gesunden Nachbarbäume.
Der Bayerische Bauernverband macht ebenfalls auf die kritische Käfersituation aufmerksam. Denn nicht nur von der hohen Ausgangspopulation, sondern auch von der Trockenheit profitiert der Borkenkäfer. Besonders gefährdet sei die Fichte als Flachwurzler: „Wenn sie in Trockenstress gerät, bildet sie weniger Harz und ist damit weniger widerstandsfähig gegen den Borkenkäfer“, warnt der Bauernverband.
Ein Problem für die Waldbesitzer sei außerdem, dass durch die Corona-Krise die Lieferketten für das Holz zusammengebrochen ist. Auch der Holzpreis ist stark gesunken. Eine Alternative sei, das Holz weit außerhalb des Waldes zu lagern: „Jedoch stehen aufgrund der hohen Hürden bei der Genehmigung zu wenig Plätze zur Verfügung“, beklagt der Verband und fordert Unterstützung von den Kommunen und Forstverwaltungen bei der Suche nach geeigneten Orten.
Für die Lagerung von befallenen Bäumen rät Franz Knierer mindestens 500 Meter Abstand zum nächsten Fichtenwald einzuhalten. „Sonst lockt man den Käfer wieder in den Wald“, erklärt er. Der Befall beginnt meist unterhalb der Baumkrone. Zuerst legen die Männchen unter der Rinde eine kleine Kammer an. Von dort ausgehend bohren die Weibchen Gänge und legen Eier ab. Anschließend besiedeln sie weitere Bäume. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich schließlich verpuppen. „Wie lange das dauert, hängt vom Wetter ab“, erklärt Knierer. „Bei sehr trockenem Wetter können die Jungtiere schon in sechs Wochen ausschlüpfen.“ Ist es feuchter, könnten es auch zehn Wochen dauern. Das Vermehrungspotential ist jedenfalls enorm. Bei drei Borkenkäfer-Generationen können aus einem Buchdrucker-Weibchen bis zu 54 000 Käfer hervor gehen. „Inzwischen müssen wir damit rechnen, dass es irgendwann eine vierte Generation geben wird“, sagt Knierer. „Das wäre der Super-Gau.“
In seinem Revier ist die Lage noch vergleichsweise gut. „Wir haben lehmhaltige Böden, die das Wasser länger halten“, sagt er. „Aber zum Beispiel im Fränkischen gibt es besonders schnell kritische Situationen.“
Die langfristige Lösung: Ein Umbau des Fichtenwaldes in einen Mischwald. „Wer streut, der rutscht nicht“, sagt Knierer. „Das ist im Hinblick auf den Klimawandel besonders wichtig.“ Kurzfristig käme es darauf an, dass die Waldbesitzer die Bäume regelmäßig auf Borkenkäfer kontrollieren. „Und wenn sie Befall feststellen, müssen sie schnell reagieren.“
Borkenkäfermonitoring
Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bietet unter www.borkenkaefer.org weitere Infos sowie eine Karte zur Borkenkäfersituation in den Regionen.