Hospizdienste durch Corona-Krise gefährdet

von Redaktion

Letzte Wünsche bleiben unerfüllt, Ehrenamtliche können Familien kaum noch entlasten: Begleiter sterbender und schwer kranker Menschen stehen in der Corona-Krise vor Problemen. Dazu kommen finanzielle Sorgen.

VON FREDERICK MERSI

Kaufbeuren – Geduld ist gefragt in Zeiten der Corona-Krise. Doch Sonja Hujo weiß, dass ihre Klienten nicht warten können. Sie ist die Koordinatorin des Wünschewagens beim Regionalverband Allgäu des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), dessen ehrenamtliche Helfer Menschen am Ende ihres Lebens letzte Wünsche erfüllen: einen Besuch bei der Familie, die Rückkehr an einen liebgewonnenen Ort oder ein Konzert der Lieblingsband. „Seit der Ausgangsbeschränkung gibt es keine Wunschfahrten mehr“, sagt Hujo. „Für mich ist das persönlich sehr schwierig.“

Doch nicht nur die drei Wünschewagen des ASB in Bayern stehen in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen entweder dem Rettungsdienst zur Verfügung oder mangels Funkausrüstung in der Garage. Auch Hospiz-Begleiter stehen vor Problemen. Das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu), die einzige stationäre Einrichtung dieser Art im Freistaat, ist seit dem 20. März geschlossen. Betroffene Familien pflegen ihre Kinder nun zuhause. „Das Schwierige an der Situation ist, nicht zu wissen, wie es weitergeht“, sagt Marlies Breher, Vorstandsvorsitzende der Süddeutschen Kinderhospiz-Stiftung, welche die Einrichtung trägt. Zwar hat der Bayerische Hospiz- und Palliativverband (BHPV) erwirkt, dass Ehrenamtliche in ambulanten Diensten in Ausnahmefällen Sterbende und deren Familien zuhause besuchen dürfen, wie das Gesundheitsministerium bestätigt. Allerdings gebe es hier kaum Nachfragen, teilt der Vorstand des BHPV mit. „Aktuell haben die Menschen die Botschaft, dass ehrenamtliche Begleitung nicht stattfindet.“

Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) statten nur in Einzelfällen mit Schutzausrüstung betroffenen Familien Hausbesuche ab. Diese ambulante Versorgung sei im Moment besonders wichtig, sagt Christine Bronner, geschäftsführende Vorsitzende der Stiftung. „Wir verhindern Klinikaufenthalte und somit die Bindung von Kapazitäten.“ Die ehrenamtlichen Helfer versuchen auch, den Kontakt übers Telefon, Video-Anrufe und soziale Medien aufrechtzuerhalten. Doch das hat Grenzen. „Die Hauptentlastung ist normalerweise die Kinderbetreuung in den Familien“, sagt Achim Saar, Koordinator des Kinderhospizdienstes bei der Stiftung Bunter Kreis in Augsburg. „Und das ist jetzt einfach nicht möglich.“ Er sieht in der Corona-Krise eine besondere Belastung für die Familien. „Wenn zum Beispiel der Termin für die Einstellung des neuen Beatmungsgeräts oder für die Physiotherapie abgesagt wird, versuchen wir zu vermitteln“, sagt Saar.

Sorgen bereiten den Hospizdiensten auch die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise. Viele von ihnen sind auf Spenden angewiesen. „Der Kampf ums Überleben ist härter geworden“, so die AKM-Sprecherin. „Spenden zu akquirieren, ist schwieriger aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation.“ Auch die Süddeutsche Kinderhospiz-Stiftung spricht von einem „starken Spendeneinbruch“. Viele Veranstaltungen zur Sponsoren-Werbung habe man absagen müssen.

Artikel 6 von 11