Bayerns Böden dürsten nach Wasser

von Redaktion

Staubende Felder, ausgetrocknete Wälder. Bayerns Bauern warten weiter sehnlichst auf Regen. Viele sagen: Eine Trockenheit wie in diesem Frühjahr hätten sie noch nie erlebt. Heuer trifft es auch das von der Dürre sonst eher verschonte Oberbayern.

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Eigentlich liegt der Hof von Bio-Bauer Sepp Braun in einer Gegend, in der man sich über zu wenig Niederschlag nicht beschweren kann. Die Region um Freising steht bei den Regenmengen im bayernweiten Vergleich gut da. Aber heuer macht der ausbleibende Regen selbst den oberbayerischen Bauern massiv zu schaffen. „Eine Trockenheit wie in diesem Frühjahr habe ich noch nie erlebt“, sagt Braun. Schon seit Wochen kontrollieren die Landwirte mit Sorge ihren Regenmesser. Braun sagt: „Wenn es bald und ergiebig regnet, dann kriegen wir noch die Kurve.“ Und wenn nicht? „Dann wird es dramatisch.“

In nahezu ganz Deutschland staubt es derzeit, wenn die Landwirte mit ihren Traktoren die Felder bestellen. Durch die milde Witterung im Winter hat die Vegetationsperiode bereits Mitte März begonnen. Doch seitdem hat es so gut wie gar nicht mehr geregnet. Laut Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen von Mitte März bis Mitte April in weiten Teilen Deutschlands weniger als zehn Liter Regen pro Quadratmeter – wovon mehr als die Hälfte wegen Wind und Sonne wieder verdunstete. „Besonders in Niederbayern ist das ein großes Problem, weil sich die Böden dort über den Winter nicht auffüllen konnten“, sagt Lisa Brunnbauer von der Agrarmeteorologischen Forschungsstelle des DWD in Weihenstephan. „Aber auch in Oberbayern ist es erstaunlich trocken.“

Im Wald sieht es nicht viel besser aus als auf den Feldern. „Wir haben tausende Bäume in unserer Gemeinde angepflanzt. Wenn wir nicht mit einer großen Aktion in Güllefässern Wasser in den Wald gefahren hätten, würde wohl kein einziger Baum überleben“, sagt Mathias Klöffel, Landwirt aus dem fränkischen Kreis Rhön-Grabfeld, einer der trockensten Regionen in ganz Bayern.

Droht das nächste Dürrejahr? Das kann derzeit noch kein Meteorologe seriös voraussagen. „Und auch die Frage, ob die aktuelle Wetterlage mit dem starken Hochdruckgebiet nun eine Folge des Klimawandels ist oder nicht, ist schwer zu beantworten“, sagt Meteorologin Brunnbauer. „Aber die langfristige Erwärmung können wir nicht wegdiskutieren.“ Lange Zeit sei für die Bauern im Frühjahr eher ein Problem gewesen, dass sie wegen Frühjahrsgewittern und der nassen Böden nicht aussäen konnten. „Jetzt keimen die Pflanzen früh, aber ihnen fehlt das Wasser.“

Deswegen werden sich laut Brunnbauer künftig wohl noch mehr Landwirte als bisher mit Bewässerungssystemen befassen müssen, sagt Brunnbauer. „Vielleicht brauchen wir künftig mehr Speichermöglichkeiten, um das Regenwasser später per Tropfbewässerung wieder an die Pflanzen zu bringen, wie es heute etwa Israel schon macht.“ Diese Form der Bewässerung sei effektiver als ein Sprenger, bei dem zu viel Wasser wieder verdunstet. „Das ist wie wenn man in der Mittagshitze im Garten die Pflanzen gießt.“

Für Richard Mergner vom Bund Naturschutz ist die aktuelle Trockenheit ein Grund mehr, um trotz Corona-Krise den Klimaschutz nicht aus den Augen zu verlieren. „Das muss wieder auf die Agenda. Die Leidtragenden wären sonst eben auch unsere Bauern.“ Bio-Bauer Sepp Braun fordert deshalb einen Wandel beim Ackerbau, weg vom Mais und hin zu mehr Kleegras und Grünland, um wieder mehr Humus als CO2-Speicher aufzubauen.

Für die nächsten Tage kann der Deutsche Wetterdienst auf den Feldern nur leichte Entwarnung geben. Zwar wird der starke Südostwind am Wochenende von einem Nordwestwind mit etwas kühlerer Luft abgelöst. Und nächste Woche wird es dann im Süden Bayerns unbeständiger mit Gewittern und immer wieder auch Regenschauern. Wie ergiebig diese wirklich werden – und ob sie ausreichen, um die trockenen Böden wieder aufzufüllen, ist aber noch offen.

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