München – Oft tappen Gäste schüchtern durch Bayerns riesige Staatskanzlei, schreiten ehrfürchtig gebeugt über Treppen und marmornen Flure. Die kleine Abordnung der Gebirgsschützen marschiert hingegen aufrecht und stolz durch die Regierungszentrale. Nur dreimal neigen sie die riesige Fahne: an Glastüren, aber das dient mehr dem Schutz der fragilen Türen als der Fahne. Ihr Besuch ist fraglos eine große Ehre. Für den Hausherren.
Sie nehmen in voller Montur Aufstellung in der Orangerie, dem verglasten Foyer zum Hofgarten hin. „Das ist was Besonderes“, kündigt Martin Haberfellner, der Landeshauptmann, feierlich an: „Da sind wir nicht freigiebig.“ In einer kleinen Zeremonie verleihen die Gebirgsschützen die Ehrenmitgliedschaft an den Ministerpräsidenten. Markus Söder ist nun – neben Herzog Franz von Bayern und neben seinen Vorgängern Edmund Stoiber und Horst Seehofer – erst das vierte lebende Ehrenmitglied.
In normalen Zeiten hätte man jetzt flachsen können, ein bisschen mit regionalen Befindlichkeiten scherzen. Er! Der Franke! Freilich, tiefer in Oberbayern Akzeptanz finden als mit dem Ehrentitel bei den Gebirgsschützen kann man kaum. Doch die Lage ist ernst. Söder wird jetzt auch dafür ausgezeichnet, dass er in der Corona-Krise um Leben und Tod zügig Entscheidungen gefällt hat. „Sie haben sich in Zeiten der Krise entscheidungsmutig und handlungsfähig gezeigt“, lobt Haberfellner in einer kurzen Ansprache – „und damit verteidigungsbereit wie ein Gebirgsschütz“.
Der Landeshauptmann erinnert daran, dass die Geschichte seiner Kompanien Mut machen kann. Die Gebirgsschützen haben ihre Anfänge im 17. Jahrhundert, durchlebten Kriege, Hungersnöte, Pest. Haberfellner überreicht Söder einen Hut als Zeichen der Ehrung: „Ein Symbol bayerischen Eigensinns, Standhaftigkeit, verbunden mit der Fähigkeit, Krisen durchzustehen.“
Söder lobt die Gäste als „geistige Schutzeinheit Bayerns – ihr sorgt für Zusammenhalt“. Und gibt mal wieder eines seiner Bekenntnisse ab, in Bayern bleiben zu wollen: „Ich möchte keinesfalls die bayerischen Gebirgsschützen gegen preußische Grenadiere tauschen.“