Erding – Die Corona-Wirtschaftskrise hat den Flughafen München voll erwischt. Die Luftfahrt sei als „eine der ersten Branchen in die Krise geraten und wird sie vermutlich als eine der Letzten wieder verlassen“, erklärt Geschäftsführer Jost Lammers gegenüber unserer Zeitung. „Aufgrund der Reisebeschränkungen über Grenzen findet kaum Luftverkehr statt. Konzeptionell und gedanklich bereiten wir uns natürlich darauf vor, dass und wie es wieder losgeht“, so Lammers, der sich seine ersten 100 Tage anders vorgestellt hatte. „Aber wann das sein wird, darüber kann man nur spekulieren – und sollte das nur vorsichtig tun.“
Wann die Luftfahrt wieder Aufwind bekommt, hängt für den 53-Jährigen davon ab, „welche und wie viele Länder man ab wann bereisen kann“. Wichtig sei, „dass wir in Europa wieder zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum kommen. Erst danach wird man an Interkontinentalverkehre denken können. Das wird aber sicher ein Prozess über Monate sein“, mutmaßt der Chef des Flughafens im Erdinger Moos.
Den sieht er für die Krise gut gerüstet. „Wir profitieren heute von den Grundlagen, die sich der Flughafen mit seiner seriösen und stabilen Wirtschafts- und Finanzplanung in den vergangenen Jahren geschaffen hat. Deshalb haben wir jetzt ein sehr starkes Rückgrat in der Krise. Wir verfügen über Reserven und Rücklagen. Das hilft uns jetzt enorm“, gibt sich Lammers zuversichtlich. Man habe „schnell die richtigen Maßnahmen getroffen“.
Auch die weitere Zusammenarbeit mit der Corona-bedingt schwächelnden Lufthansa – FMG und Deutschlands größte Fluggesellschaft betreiben gemeinsam das Terminal 2 – sieht Lammers positiv: „Der Druck, der auf allen lastet, ist enorm. Ich bin zuversichtlich, dass wir stabil und zukunftsorientiert weiter mit unserem sehr wichtigen Systempartner arbeiten werden. Da habe ich keinen Zweifel.“ Deswegen gelte die Vereinbarung weiter, den Satelliten des Terminals 2 um ein Abfertigungsgebäude zu erweitern. Auch die anderen Großbaustellen setzt Lammers fort, darunter den Ausbau des Terminals 1, den Hochtechnologiestandort Lab Campus sowie den S-Bahn-Ringschluss nach Erding. „Wir verfügen über Liquidität und haben diese im Unternehmen gehalten. Deswegen sind wir gut aufgestellt.“ HANS MORITZ